Spahn: „Starkes deutsches Netzwerk für Globale Gesundheit“

Preisverleihung des Ideenwettbewerbs „Neue Ideen für Globale Gesundheit“ des Global Health Hub Germany

Wie können innovative Lösungen für globale Gesundheitsherausforderungen aussehen? Das war die Leitfrage eines Ideenwettbewerbs, den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgerufen hatte. Heute haben in Berlin die drei Siegerteams bei einer Festveranstaltung ihre Ideen vorgestellt und wurden dafür ausgezeichnet.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs waren die Mitglieder des Global Health Hub – inzwischen sind es über 600 - aufgefordert, in Projektteams gemeinschaftlich übergreifende Projektideen zur Lösung globaler Gesundheitsherausforderungen zu entwickeln. Eine Fachjury wählte Ende November die drei besten Projektideen aus. Bei den ausgewählten Projekten geht es um so unterschiedliche Themen wie eine App zur Bezahlung von Gesundheitsleistungen, die Förderung des Themas „Globale Gesundheit“ an deutschen Medizinfakultäten und eine Datenbank über Projektpartnerschaften.

Kurzbeschreibung der Projektideen der Gewinner

Zugang zu Gesundheitsversorgung und Schutz vor medizinischer Verarmung durch Entwicklung und Implementierung einer digitalen Bezahlplattform basierend auf Mobile Money

Projektleitung: Dr. med. Julius Emmrich (Charité Global Health / Klinik für Neurologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Ärzte für Madagaskar e.V.) und Dr. Samuel Knauss (Co-Projektleiter)

Akteursgruppen: Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Jedes Jahr geraten weltweit etwa 100 Millionen Menschen krankheitsbedingt in finanzielle Not und extreme Armut, weil sie medizinische Leistungen aus eigenen Ersparnissen bezahlen müssen. Ein Großteil der Bevölkerung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen hat keinen Zugang zu einer Krankenversicherung oder umfassenden staatlicher Gesundheitsversorgung. Barzahlungen aus der eigenen Tasche stellen die häufigste Form der Finanzierung von Gesundheitsleistungen dar. Die Projektidee wird in Madagaskar umgesetzt, wo ca. 90% der Bevölkerung nicht krankenversichert ist. Gerade der armen und geringverdienenden Bevölkerung steht nur ein administrativ aufwändiges, papierbasiertes Gesundheitsfinanzierungssystem zur Verfügung. Die Projektidee nutzt die Potenziale der Digitalisierung: Durch die App mTomady kann z.B. der Abschluss einer Versicherungspolice und die Prämienzahlung über das Mobiltelefon sowie die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Versicherte vereinfacht werden. Damit wendet das Projekt neue Technologie innovativ an, um den Zugang zum Gesundheitssystem zu erleichtern und zu verbessern.

„How to – Global Health Education”: Stärkung der Lehre zu globaler Gesundheit durch studentische Initiativen

Projektleitung: Annika Kreitlow (Medizin & Politikwissenschaften)

Akteursgruppen: Wissenschaft und Jugend

In Deutschland wird bislang im Rahmen des Medizinstudiums das Thema Globale Gesundheit kaum gelehrt. Da in einer globalisierten Welt Gesundheit immer auch global gesehen und verstanden werden muss, ist es essentiell, dass junge Menschen die Möglichkeit haben, sich dazu im Rahmen des Medizinstudiums weiterzubilden. Die Projektidee zielt darauf ab, Globale Gesundheit langfristig in die Lehre an medizinischen Fakultäten zu etablieren. Dafür möchte das Team Studierende und Lehrende miteinander vernetzen, Erfahrungen und Wissen austauschen und die Implementierung von Lehrangeboten an medizinischen Fakultäten vorantreiben. Auf studentische Initiative wurde in den letzten Jahren an den Universitäten in Leipzig und Hannover Wahlfächer zum Thema „Global Health“ initiiert. Basierend auf diesen Erfahrungen wurde ein Kompendium erstellt, welches frei verfügbar ist und als Hilfestellung für die Etablierung eines Wahlfaches dienen soll. Dieses soll nun weiter aufbereitet und bekannter gemacht werden.

 

 

Blockchain-basierte Open-Source Datenbank „Globale Gesundheitspartnerschaften Wissensplattform für eine effektive sektorübergreifende Zusammenarbeit“ – Silobruch und Verbesserung des Wissensaustausch

Projektleitung: Nathalia Korchakova-Heeb (Geschäftsführerin, SDG.17 Consulting GmbH)

Akteursgruppen: Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Um die nachhaltigen Entwicklungsziele und universelle Gesundheitsversorgung zu erreichen, braucht es eine akteursübergreifende Zusammenarbeit. Es gibt aktuell allerdings nur sehr wenig Wissen über bestehende Gesundheitspartnerschaftsprojekte, die bereits akteursübergreifend umgesetzt werden. Bereitgestellte Informationen sind meist nur sehr fragmentiert. Wenn Informationen zentral dazu zur Verfügung gestellt werden, könnten diese die Partnersuche erleichtern und Ideen für neue Projekte anregen. Das Projektteam möchte eine Blockchain-basierte Open-Source Datenbank aufbauen, die kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Datenbank sammelt Daten und Referenzen über erfolgreiche Partnerschaftsprojekte und will dadurch Partnerschaften im Gesundheitsbereich weiter fördern. Das Projekt konzentriert sich erstmal auf Deutschland, kann aber zukünftig auch international erweitert werden.

Hintergrund

Im Februar 2019 wurde der Global Health Hub Germany vom Bundesgesundheitsministerium als unabhängiges Netzwerk gegründet. Alle Akteure, die sich in Deutschland für Globale Gesundheit interessieren und engagieren, können sich dem Hub anschließen, um sich auszutauschen und neue Projekte und Partnerschaften auf die Beine zu stellen. Zu den inzwischen 600 Mitgliedern des Hub zählen sowohl 470 Einzelpersonen als auch 159 Organisationen aus Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Think Tanks, Jugend, dem Privatsektor, Stiftungen und dem parlamentarischen Raum. Dabei arbeiten alle Mitglieder zu Globaler Gesundheit, haben aber unterschiedlichste Hintergründe: Sie kommen zum Beispiel aus den Bereichen Landwirtschaft, Klima, Umwelt, Gesundheit oder Wasser.