Unbemannte Flugsysteme in der medizinischen Versorgung – Innovationsbarrieren und Strategien für deren Überwindung

Ressortforschung im Handlungsfeld „Gesundheitsversorgung“

Unbemannte Flugsysteme in der medizinischen Versorgung – Innovationsbarrieren und Strategien für deren Überwindung

Motivation

Eine möglichst schnelle Versorgung und schnelle qualifizierte Diagnostik sind in der Medizin lebensrettend. Dies gilt in besonderem Maße für die Erstversorgung von Notfallpatientinnen und –patienten, aber auch für die Notfalllabordiagnostik und Versorgung mit Blutprodukten. Deutschlandweit hat die Entwicklung zukunftsfähiger Notfallversorgungskonzepte unter Integration technischer Innovation daher eine hohe Bedeutung. Hierbei kann der Einsatz von Unmanned Aerial Systems (UAS), landläufig auch „Drohnen“ genannt, eine wichtige Rolle spielen.

Im Rahmen des Projekts „MV|LIFE|DRONE-Challenge (MVLD-C)“ wurden zwei konkrete Fragestellungen bezüglich des Einsatzes von UAS in der medizinischen Versorgung untersucht. Im ersten Arbeitspaket wurde die Machbarkeit einer drohnengestützten Blutbank erprobt. Im zweiten Arbeitspaket fand die Entwicklung eines Konzepts zur Versorgung von Einsatzorten mit Defibrillatoren (AEDs) statt.

Neben diesen Fragestellungen zu konkreten Einsatzszenarien wurde im Rahmen von MVLD-C auch ein Thesenpapier erarbeitet, in welchem die Erkenntnisse aus unterschiedlichen deutschlandweit durchgeführten Drohnenprojekten gesammelt wurden.

Ziele und Vorgehen

Die in dem Projekt untersuchten Versorgungsszenarien wurden im Rahmen von kontrollierten Simulationen erprobt. Für die Erprobung des Szenarios der drohnengestützten Blutbank wurde an der Versorgungsstruktur der „gespiegelten Blutbank“ angesetzt. Hierbei handelt es sich um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Erythrozytenkonzentraten in Krankenhäusern ohne eigenes immunhämatologisches Labor. Konkret wurde das Szenario simuliert, dass in einem Krankenhaus im ländlichen Raum eine Bluttransfusion durchgeführt werden sollte. Vor der Transfusion wurden die Blutproben des Patienten mittels UAS in ein Labor zur Verträglichkeitsuntersuchung geflogen. Zeigen sich in der Laboranalyse keine Auffälligkeiten, könnte im Krankenhaus nun direkt mit der Transfusion begonnen werden. Durch den Einsatz von UAS könnte somit die benötigte Zeit zwischen Aufnahme des Patienten und Beginn der Behandlung verringert werden.  

Bei der Erprobung der Versorgung von Einsatzorten mit AEDs wurde an Erkenntnisse aus einem vorangegangenen Projekt angeknüpft. Basierend auf den Vorerfahrungen wurde ein Konzept entwickelt, wie strategisch stationierte Drohnen und AEDs von einer Zentrale aus definierte Bereiche abdecken könnten. Darüber hinaus wurde erarbeitet, welche Parameter (z.B. Anzahl der notwendigen Standorte) für eine praktische Integration in den Versorgungsalltag beachtet werden müssten.

Für die Erarbeitung des Thesenpapiers wurden darüber hinaus die Erfahrungen und Erkenntnisse von 28 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen deutschlandweit durchgeführten Drohnenprojekten gesammelt. Das Thesenpapier adressiert die Rahmenbedingungen des Einsatzes von UAS in der medizinischen Versorgung, analysiert die Herausforderungen und formuliert Handlungsempfehlungen, wie technologische Innovationen in einen nachhaltigen Betrieb überführt und konkret zur Verbesserung der Versorgung genutzt werden könnten. Das Papier adressiert dabei die folgenden Bereiche: die Gestaltung künftiger Versorgungssysteme, die Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen, technologische Erfordernisse und Betriebskonzepte und Geschäftsmodelle für eine standardisierte Anwendung.

Das Thesenpapier wird voraussichtlich im Herbst 2021 als Fachbuch veröffentlicht. Eine Kurzfassung des Thesenpapiers kann im Bereich „Weitere Informationen“ heruntergeladen werden. Die Inhalte werden außerdem in dem untenstehenden Video dargestellt.

Perspektiven für die Praxis

Die in dem Projekt erprobten konkreten Einsatzszenarien liefern unterschiedliche praktische Implikationen für die Integration von UAS in die Rettungskette. Das im Rahmen des Projekts entwickelte Thesenpapier gibt zusätzlich auf einer projektübergreifenden Ebene hilfreiche Impulse, in welchen konkreten Einsatzfeldern unbemannte Flugsysteme zukünftig in Notfallversorgungskonzepte integriert werden könnten und welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Herausforderungen dabei berücksichtigt werden müssen. Durch die aktive Einbeziehung anderer Pilotvorhaben aus dem Bereich der medizinischen Notfallversorgung konnte im Rahmen des Projektes erstmalig ein bislang fehlender Gesamtüberblick über die bundesweite Forschungslandschaft dieses Gebiets erreicht werden. Dieser Gesamtüberblick sowie die projektübergreifenden Empfehlungen liefern wertvolle Ansatzpunkte für eine Harmonisierung von Standards und die weitere Erarbeitung ganzheitlicher Konzepte zur Integration von UAS in die Rettungskette.

Fakten zum Projekt

Projektleitung

Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Straße
17475 Greifswald

Dr. Mina Baumgarten und Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp

Projektlaufzeit

01.06.2020 – 31.07.2021

Projektbeteiligte

• Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin und  Klinik für Transfusionsmedizin (Universitätsmedizin Greifswald)

• Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement (Universität Greifswald)

• Deutsche Luftrettung e.V.

• Hochschule Neubrandenburg

• Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ansprechperson

Bundesministerium für Gesundheit
Referat 513

513@bmg(dot)bund(dot)de

Videopräsentation zum Thesenpapier

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