Hebammen und Entbindungspfleger

Beschreibung des Berufs

Das moderne Aufgabenprofil  der Hebamme und des Entbindungspflegers umfasst die gesundheitliche Versorgung und Betreuung der Menschen in der Lebensphase der Familienplanung. Es erstreckt sich auf die  Schwangerschaft, die Geburt, das Wochenbett und die Stillzeit. Hebammen begleiten die Menschen dabei, "Eltern zu werden".

Basierend auf diesen breiten Aufgaben des Berufs ist es Ziel der Ausbildung, die Hebamme und den Entbindungspfleger, insbesondere dazu zu befähigen,"Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett Rat zu erteilen und die notwendige Fürsorge zu gewähren, normale Geburten zu leiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen" (§ 5 Hebammengesetz).

Gesetzliche Grundlagen der Ausbildung

Das Hebammengesetz  (HebG vom 4. Juni 1985, zuletzt geändert durch Artikel 17b des Gesetzes vom 23.12.2016) sowie die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung  (HebAPrV vom 16.03.1987, zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 18.04.2016) bilden die rechtlichen Grundlagen der Ausbildung. Es handelt sich dabei um ein sog. Berufszulassungsgesetz, das auf der Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Artikel 74 Absatz 1 Nummer 19 Grundgesetz beruht.

Voraussetzungen für die Ausbildung sind:

  • gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs

  • Realschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung oder eine andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung oder

  • Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Schulbildung, sofern der Bewerber

    • eine mindestens zweijährige Pflegevorschule erfolgreich besucht hat oder

    • eine Berufsausbildung mit einer vorgesehenen Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen hat, oder

  • die Erlaubnis als Krankenpflegehelferin oder Krankenpflegehelfer

Ausbildungsverlauf

Die Ausbildung zur Hebamme/zum Entbindungspfleger dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung drei Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht (mind. 1600 Stunden) sowie einer praktischen Ausbildung (mind. 3000 Stunden) und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab , die aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil besteht.

Unterricht und praktische Ausbildung werden in staatlich anerkannten Hebammenschulen an Krankenhäusern vermittelt. Die praktische Ausbildung umfasst Einsätze im Kreißsaal, auf der Wochenstation, auf der Neugeborenenstation, auf operativen und nichtoperativen Stationen, in der Kinderklinik und im Operationssaal. Im Mai 2013 wurde das Hebammengesetz an die veränderten Anforderungen an den Hebammenberuf angepasst, indem eine Sollvorschrift eingeführt wurde, die eine stärkere Einbindung des ambulanten Bereichs in die praktische Ausbildung ermöglicht.

Während der Ausbildung wird eine Ausbildungsvergütung gewährt.

Berufliche Praxis

Nach Abschluss der Ausbildung sind es die Hebammen, die die Leitung der normalen Geburt übernehmen. Dies gehört zu den Aufgaben, die ihnen  nach dem Hebammengesetz (§ 4) ausdrücklich vorbehalten sind. Vorbehaltene Tätigkeiten sind eine Besonderheit bei den Gesundheitsfachberufen. Im Falle des Hebammenberufes führen sie dazu, dass selbst eine Ärztin oder ein Arzt eine Hebamme oder einen Entbindungspfleger zur Geburt hinzuziehen muss. Denn Hebammen und Entbindungspfleger führen die Geburt selbständig und eigenverantwortlich und ohne ärztliche Anordnung durch. Nur wenn ärztliche Geburtshilfemaßnahmen notwendig werden, treten sie in die Rolle einer/eines Assistentin/Assistenten der Ärztin oder des Arztes.

Nach der Entbindung versorgen Hebammen und Entbindungspfleger Neugeborene und Mütter und dokumentieren die Geburt. Darüber hinaus betreuen sie die Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt, übernehmen die Nachsorge des Neugeborenen und beraten in Fragen der Säuglingspflege und -ernährung.

Aber nicht nur die Geburt, auch die Phase der  Schwangerschaft, des Wochenbetts und der Stillzeit stellt im Leben der Mütter, Väter und Familien etwas ganz Besonderes dar. Mit ihr gehen große Emotionen aber auch Ängste, Unsicherheiten und gesundheitliche Fragen einher. Hier sind Hebammen und Entbindungspfleger verlässliche und kompetente Ansprechpartner. Sie beraten zur Familienplanung, werdende Mütter und Väter zu allen Fragen einer Schwangerschaft und  führen Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildungsgymnastik durch. Zudem übernehmen sie Vorsorgeuntersuchungen.

Orte der Berufsausübung

Hebammen/Entbindungspfleger arbeiten hauptsächlich in Geburtsabteilungen von Krankenhäusern, in Hebammenpraxen oder Geburtshäusern. Wenn sie die Patientinnen in Krankenhäusern unterstützen, sind sie überwiegend in Kreißsälen, auf Wochenstationen oder in Säuglingszimmern tätig. Freiberufliche Hebammen/Entbindungspfleger betreuen werdende Mütter auch bei einer Hausgeburt oder bei einer ambulanten Nachsorge.

Weiterentwicklung des Hebammenberufs im Rahmen von Modellstudiengängen

Seit Oktober 2009 besteht durch die Einführung einer zeitlich befristeten  Modellklausel im Hebammengesetz die Möglichkeit, die  Ausbildung alternativ zur Fachschule an einer Hochschule zu absolvieren.

Mit der Einführung der Modellklausel hat der Gesetzgeber das Ziel verbunden, die Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung weiter zu befördern und Erkenntnisse zu gewinnen, die ihn in die Lage versetzen, über die Zukunft der Ausbildung in akademischer oder nichtakademischer Form zu entscheiden. Die Geltungsdauer der Modellklausel wurde mit der Gesetzesänderung vom April 2016 (s.o.) bis zum Jahr 2021 verlängert, um insbesondere weitere Erkenntnisse über nachhaltige und langfristige Auswirkungen der Akademisierung auf den beruflichen Alltag und den Arbeitsmarkt zu erhalten.

EU-Kompatibilität der Ausbildung

Die Ausbildung zur Hebamme/zum Entbindungspfleger erfüllt derzeit in allen Vertragsstaaten der EU die Voraussetzungen für eine automatische Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Die Berufsanerkennungsrichtlinie wurde im Jahr 2013 durch die Richtlinie 2013/55/EU geändert. Dabei wurde insbesondere die Zugangsvoraussetzung zur Hebammenausbildung von einer zehnjährigen allgemeinen Schulausbildung auf eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung angehoben. Die Hebammenausbildung wird nach den EU-Vorgaben novelliert und als akademische Ausbildung orientiert an einem dualen Studium ausgestaltet werden.