Gesundheitswirtschaft im Überblick

Die Gesundheitswirtschaft setzt sich aus vielen Akteuren zusammen. Der Kernbereich, auch erster Gesundheitsmarkt genannt, umfasst den Bereich der "klassischen" Gesundheitsversorgung, die größtenteils durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV) einschließlich Pflegeversicherung finanziert werden.

Als zweiter Gesundheitsmarkt werden alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die Gesundheit bezeichnet. Dabei ist die Zuordnung, welche Waren und Dienstleistungen einen Bezug zur Gesundheit aufweisen, nicht klar definiert und teilweise umstritten. Der zweite Gesundheitsmarkt umfasst nach allgemeinem Verständnis freiverkäufliche Arzneimittel und individuelle Gesundheitsleistungen, Fitness und Wellness, Gesundheitstourismus sowie – zum Teil – die Bereiche Sport/Freizeit, Ernährung und Wohnen.

Außenwirtschaft

Im Jahr 2020 betrugen die Exporte der deutschen Gesundheitswirtschaft über 127,7 Milliarden Euro – und damit 8,8 Prozent der Gesamtexporte (Prognose). Seit 2009 hat sich damit ihr Wert fast verdoppelt. Vor allem die industrielle Gesundheitswirtschaft prägt mit 91 Prozent des Exports der Gesundheitswirtschaft den Außenhandel. Humanarzneimittel, Medizintechnik und Medizinprodukte machen mehr als drei Viertel der Exporte der Gesundheitswirtschaft aus.

Die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sind im Export gut positioniert, wobei die Globalisierung die Unternehmen jedoch vor neue Herausforderungen stellt. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es häufig schwierig, die Marktmechanismen im Ausland zu durchdringen und einen Marktzugang zu finden.

Perspektiven der Gesundheitswirtschaft

Die demografische Entwicklung in Deutschland, der medizinisch-technische Fortschritt und das wachsende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung führen zu einer zusätzlichen Nachfrage an herkömmlichen professionellen Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Betreuung, aber auch an Produkten und Dienstleistungen des zweiten Gesundheitsmarktes. Die Gesundheitswirtschaft bietet somit jetzt und für die Zukunft vielfältige Chancen für Wachstum und Beschäftigung sowie für Innovationen. Die Sonderauswertungen der DIHK zur wirtschaftlichen Lage und zu den Perspektiven der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft ergaben daher in den letzten Jahren regelmäßig ein positives Bild. Doch auch die Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft blieben von der Corona-Pandemie nicht verschont, so dass die Geschäftslage noch unter dem Vorkrisenniveau zurückbleibt.

Die demografische Entwicklung wirkt aber nicht nur auf der Nachfrageseite, sondern stellt auch ein Risiko für die Gesundheitswirtschaft in Form eines drohenden Fachkräftemangels dar. Dem steigenden Bedarf steht damit ein immer geringeres Angebot an jungen Arbeitskräften gegenüber. Wie in allen Wirtschaftsbereichen werden die Belegschaften älter und der Nachwuchs wird knapp.

Die Gesundheitswirtschaft ist eine Hightech-Branche und spielt deshalb eine wichtige Rolle für den technischen Fortschritt. Weltweit investiert kein anderer Wirtschaftszweig außer der Datenverarbeitungs- und Elektronikindustrie so viel in Forschung und Entwicklung wie die Gesundheitsbranche (Booz&Company 2008 und 2011). Gerade in der Corona-Pandemie haben sich die Bereiche Biotechnologie, Medizintechnik und Telemedizin positiv entwickelt. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes in München entfallen 16,7 Prozent aller Patentanmeldungen im Jahr 2020 auf einen dieser drei technischen Bereiche. Insbesondere die Patentanmeldung für Pharmazeutik hat im Jahr 2020 mit 10,2 Prozent den größten Zuwachs im Technologiebereich erfahren. Deutschland rangiert europaweit mit 631 Patentanmeldungen für Arzneimittel auf Platz 3 der anmeldeaktivsten Länder. Die industrielle Forschung und Entwicklung ist damit ein Wachstumstreiber in der Gesundheitswirtschaft am Innovationsstandort Deutschland, wobei auch das Wachstum der Forschung und Entwicklung im nicht-industriellen Teil der Gesundheitswirtschaft erheblich war (plus 0,3 Milliarden Euro; plus 1,4 Prozent pro Jahr).

Stand: 29. November 2021
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