Bedeutung der Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für den Standort Deutschland. Die Bruttowertschöpfung im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft lag 2018 bei knapp 370 Mrd. Euro (Prognose). Das entspricht mehr als 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Gesundheitswirtschaft ist damit weiterhin eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs. Mit einem Wachstum von jährlich 4,1 Prozent wuchs der Sektor in den letzten zehn Jahren deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BMWI Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen 2018). Die Gesundheitswirtschaft sorgt des Weiteren für eine konjunkturunabhängige und damit wirtschaftlich stabilisierende Nachfrage und ist zudem Beschäftigungsmotor für die deutsche Wirtschaft insgesamt.

Neben einer umfassenden Gesundheitsversorgung zeichnet sich der deutsche Gesundheitsmarkt vor allem durch die Entwicklung innovativer Hightech-Produkte in der Medizintechnik und Arzneimittel sowie neuer Behandlungs- und Untersuchungsmethoden aus.

Der industrielle Teilbereich der Gesundheitswirtschaft trägt einen Anteil an der Wertschöpfung von 22,8 Prozent der Gesundheitswirtschaft und umfasst Medizinprodukte, Arzneimittel sowie Einzelhandels- und Großhandelsleistungen, aber auch Waren zur Gesundheitsversorgung, erweiterte Handelsleistungen, Bauinvestitionen und Geräte für E-Health und digitaler Anwendungen.

Die Biotechnologie ist dabei derzeit noch ein kleiner Teilbereich der Gesundheitswirt­schaft, aber die Wachstumszahlen verdeutlichen ihr großes Potenzial. Mit einem Wachstum von 5,6 Prozent wächst die Branche deutlich schneller als die restliche Gesundheitswirtschaft.

Die dienstleistungsorientierte Gesundheitswirtschaft umfasst die stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung. Dienstleistungen stationärer Einrichtungen und ambulanten Einrichtungen sind für fast 53 Prozent der Bruttowertschöpfung und für rund 64 Prozent der Arbeitsplätze innerhalb der Gesundheitswirtschaft verantwortlich. Weitere dienstleistungsgeprägte Teilbereiche sind u. a. Krankenversicherungen, Apotheken und der Gesundheitstourismus.

Grundlage für die hohe Bruttowertschöpfung ist insbesondere der umfassende Leistungsanspruch für über 73 Mio. gesetzlich und knapp. 9 Mio. privat Krankenversicherten. Als größter europäischer Markt bietet Deutschland mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften und einer guten Infrastruktur zudem ausgezeichnete Standortbedingungen für die Leistungserbringer und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Gerade im Pflegebereich zeigt sich jedoch ein zunehmender Fachkräftemangel.

Die Gesundheitsausgaben beliefen sich im Jahr 2018 nach dem Statistischen Bundesamt auf rund 387 Mrd. Euro (prognostizierter Wert). Sie haben damit zum wiederholten Mal die Marke von 1 Mrd. Euro pro Tag überschritten.   

Oft wird darauf hingewiesen, dass die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung die Wirtschaft und die Beschäftigten mit hohen Kosten belasten. Diese Sichtweise vernachlässigt, dass eine gute Gesundheitsversorgung über die ökonomische Bedeutung des Gesundheitssektors hinaus gleichzeitig einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen hat. Denn ein Gesundheitssystem mit guter medizinischer Akutversorgung und einem ausgebauten Rehabilitationswesen ist gut für die Wirtschaft. Es trägt wesentlich dazu bei, dass die Erwerbsfähigkeit und Produktivität der Erwerbstätigen erhalten bleibt und die Menschen selbst aus eigener Kraft für ihren Unterhalt sorgen können. Investitionen in die Gesundheit der Menschen sind deshalb ein wichtiger Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand.

Dies zeigt auch die im Auftrag des BDI erstellte Studie „Entwicklung des Gesundheitsnutzens – Veränderung der Krankheitslast von 1993 bis 2013 für ausgewählte Krankheitsbilder“ (IGES Institut/Universität Bielefeld/WifOR). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten Krankheiten Brustkrebs, Prostatakrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes Mellitus Typ II immer mehr Menschen mit der Krankheit länger überleben. Insgesamt nahm die Krankheitslast in den fünf ausgewählten Indikationen binnen 20 Jahren stetig ab.

Für das Jahr 2015 wurden erstmalig die wesentlichen Kennzahlen der Gesundheitswirtschaft für alle 16 Bundesländer ermittelt. Deutlich wird erstens, dass die Stärke der Gesundheitswirtschaft eines Bundeslandes von der dortigen Inanspruchnahme der Gesundheitsleistungen, also dem Versorgungsbedarf, abhängt und somit auch die demografische Entwicklung für die künftige Rolle der Gesundheitswirtschaft wichtig ist. Es zeigt sich zweitens, dass auch die Wettbewerbsfähigkeit der industriellen Gesundheitswirtschaft eines Bundeslandes maßgeblichen Anteil daran trägt, dass dessen Gesundheitswirtschaft im bundesweiten Vergleich stark ist.