Bedeutung der Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für den Standort Deutschland. Die Bruttowertschöpfung im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft lag 2020 bei knapp 364,5 Milliarden Euro (Prognose). Das entspricht mehr als 12,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Gesundheitswirtschaft ist damit weiterhin eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs. Mit einem Wachstum von jährlich 3,3 Prozent wuchs der Sektor in den letzten zehn Jahren deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BMWI Gesundheitswirtschaft Fakten & Zahlen 2020). Die Gesundheitswirtschaft sorgt des Weiteren für eine konjunkturunabhängige und damit wirtschaftlich stabilisierende Nachfrage und ist zudem Beschäftigungsmotor für die deutsche Wirtschaft insgesamt.

Neben einer umfassenden Gesundheitsversorgung zeichnet sich der deutsche Gesundheitsmarkt vor allem durch die Entwicklung innovativer Hightech-Produkte in der Medizintechnik und bei Arzneimitteln sowie neuer Behandlungs- und Untersuchungsmethoden aus.

Der industrielle Teilbereich der Gesundheitswirtschaft trägt einen Anteil an der Wertschöpfung von 20,6 Prozent der Gesundheitswirtschaft und umfasst Medizinprodukte, Arzneimittel sowie Einzelhandels- und Großhandelsleistungen, aber auch Waren zur Gesundheitsversorgung, erweiterte Handelsleistungen, Bauinvestitionen und Geräte für E-Health und digitaler Anwendungen.

Die digitale Gesundheitswirtschaft ist dabei derzeit noch ein kleiner Teilbereich der Gesundheitswirtschaft, aber die starke Wachstumstendenz verdeutlicht ihr großes Potenzial. Neben dem allgemeinen digitalen Transformationsprozess trägt auch die pandemische Lage zum steigendem Wachstum bei. Trotz der positiven Tendenz liegt der Beitrag insgesamt innerhalb der Gesundheitswirtschaft auf einem niedrigeren Niveau.

Die dienstleistungsorientierte Gesundheitswirtschaft umfasst die stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung. Dienstleistungen stationärer und ambulanter Einrichtungen sind für fast 54 Prozent der Bruttowertschöpfung und für rund 63 Prozent der Arbeitsplätze innerhalb der Gesundheitswirtschaft verantwortlich. Weitere dienstleistungsgeprägte Teilbereiche sind unter anderem Krankenversicherungen, Apotheken und der Gesundheitstourismus.

Grundlage für die hohe Bruttowertschöpfung ist insbesondere der umfassende Leistungsanspruch für über 73,3 Millionen gesetzlich und knapp. 8,8 Millionen privat Krankenversicherten. Als größter europäischer Markt bietet Deutschland mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften und einer guten Infrastruktur zudem ausgezeichnete Standortbedingungen für die Leistungserbringer und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Gerade im Pflegebereich zeigt sich jedoch ein zunehmender Fachkräftemangel.

Die Gesundheitsausgaben beliefen sich im Jahr 2020 laut Statistischen Bundesamt auf rund 425 Milliarden Euro (prognostizierter Wert). Sie haben damit bereits seit dem Jahr 2017 die Marke von 1 Milliarden Euro pro Tag regelmäßig überschritten.

Oft wird darauf hingewiesen, dass die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung die Wirtschaft und die Beschäftigten mit hohen Kosten belasten. Diese Sichtweise vernachlässigt, dass eine gute Gesundheitsversorgung über die ökonomische Bedeutung des Gesundheitssektors hinaus gleichzeitig einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen hat. Denn ein Gesundheitssystem mit guter medizinischer Akutversorgung und einem ausgebauten Rehabilitationswesen ist gut für die Wirtschaft. Es trägt wesentlich dazu bei, dass die Erwerbsfähigkeit und Produktivität der Erwerbstätigen erhalten bleibt und die Menschen selbst aus eigener Kraft für ihren Unterhalt sorgen können. Investitionen in die Gesundheit der Menschen sind deshalb ein wichtiger Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand. Die flächendeckend gute Gesundheitsversorgung hat zudem wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland bislang insgesamt gut durch die pandemische Krise gekommen ist.

Seit 2018 erfolgt jährlich die Veröffentlichung der wesentlichen Kennzahlen der Gesundheitswirtschaft für alle 16 Bundesländer in einer separaten Broschüre. Deutlich wird hierdurch erstens, dass die Stärke der Gesundheitswirtschaft eines Bundeslandes von der dortigen Inanspruchnahme der Gesundheitsleistungen, also dem Versorgungsbedarf, abhängt und somit auch die demografische Entwicklung für die künftige Rolle der Gesundheitswirtschaft wichtig ist. Es zeigt sich zweitens, dass auch die Wettbewerbsfähigkeit der industriellen Gesundheitswirtschaft eines Bundeslandes maßgeblichen Anteil daran trägt, dass dessen Gesundheitswirtschaft im bundesweiten Vergleich stark ist. Hervorzuheben ist, dass im Jahr 2019 die Bundesländer Nordrhein-Westfalen mit 75,3 Milliarden Euro, Bayern mit 57,1 Milliarden Euro und Baden-Württemberg mit 53,4 Milliarden Euro über die Hälfte der gesamten Bruttowertschöpfung in der deutschen Gesundheitswirtschaft erzielt haben.

Stand: 29. November 2021
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