Interview zum ZDG-Modellvorhaben „Quantified Health - Digitale Begleitung und Selbstkontrolle im Alltag (DiBeA)“

Herr Dr. John stellt das Projekt DiBeA vor. Das Projekt pilotiert ein sensorbasiertes Assistenzsystem in der Orthopädie, Kardiologie und Onkologie.

Was war das Ziel Ihres Modellvorhabens, wie sind Sie dabei grob vorgegangen?

Unser Ziel war es, ein digitales Assistenzsystem aufzubauen, das Patientinnen und Patienten in ihrem Alltag begleitet und ihnen einen Mix aus selbstverantwortlichem Training und medizinischer Betreuung anbietet. Nach einem stationären Aufenthalt, z.B. nach einer OP, haben viele Patientinnen und Patienten auch längerfristig Ängste sich wieder körperlich zu belasten. Hier wollen wir mit einem System ansetzen, das den Patientinnen und Patienten die notwendige Sicherheit vermittelt und sie gleichzeitig durch den Kontakt mit ihrer Therapeutin oder ihrem Therapeuten zu gesundheitsfördernden Aktivitäten motiviert. Erste Konzept- und Entwicklungsarbeiten konnten wir in dem Vorprojekt RehaQuantified realisieren. In DiBeA (Digitale Begleitung und Selbstkontrolle im Alltag) geht es nun darum, das System an die neuen Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer anzupassen und was noch viel wichtiger ist, es im Praxiseinsatz zu evaluieren. Wir haben uns über die Offenheit der medizinischen Projektpartnerinnen und -partner sehr gefreut, mit uns diesen Weg vom Brainstorming, was das System können soll, über Diskussionen zum Datenschutz bis hin zum Betrieb im Versorgungsalltag zu gehen. Das war auch nicht immer einfach für die Beteiligten, hat aber in unserem Falle doch erstaunlich gut geklappt.

Welche Vorteile bietet der Versorgungsansatz Ihres Modellvorhabens für die Beteiligten?

Das ist aktuell noch schwer zu beantworten. Wir befinden uns mit dem Projekt in der Erprobungsphase. Erhoffen würden wir uns, dass Patientinnen und Patienten auch längerfristig aus der Ferne aus der medizinischen Einrichtung heraus in ihrem Alltag betreut werden können. Diesen Wunsch haben wir immer auch seitens der Ärztinnen und Ärzte bzw. seitens der Therapeutinnen und Therapeuten vernommen. Mit dem System können Ärztinnen und Ärzte und Therapeutinnen und Therapeuten ihre Aktivitätsempfehlungen an den jeweiligen Therapiefortschritt anpassen, was möglicherweise zu einer höheren Motivation und langfristigeren Adhärenz der Behandelten führt. Die Patientinnen und Patienten erhalten einen digitalen Begleiter, der sie individuell auf ihren Gesundheitszustand angepasst zu Alltagsaktivitäten anleitet. Als langfristiger Effekt könnten somit Wiedereinweisungen oder Wiedervorstellungen reduziert werden. Auch für die medizinischen Einrichtungen kann daraus ein neues Angebot erwachsen: Sie könnten ihre Betreuungsleistungen erweitern und gleichzeitig zumindest bei Routineterminen das Patientenaufkommen in der Einrichtung etwas reduzieren. Auch die Versorgung von Patientinnen und Patienten in ländlichen Regionen könnte durch den Einsatz solcher Assistenzsysteme verbessert werden.

Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich aus Ihrem Modellvorhaben, wie können sie zur Verbesserung der Versorgung beitragen?

Zuerst einmal wollen wir die gestellten Forschungsfragen beantworten. Hier steht die Untersuchung förderlicher wie auch hinderlicher Faktoren und Strukturen im Mittelpunkt. Wichtig ist uns auch, mehr über die Akzeptanz, Nutzung und Zufriedenheit der Anwenderinnen und Anwender, d.h. der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer, der Patientinnen und Patienten zu erfahren. Unsere Hauptfragestellungen sind:

  • Wie sind die Usability und Akzeptanz der konkreten Lösung zu bewerten? Ändert sich das Nutzungsverhalten der Anwenderinnen und Anwender über den Zeitraum der Systemnutzung? Nutzen Patientinnen und Patienten der Kardiologie oder Onkologie das System auf andere Weise als Patientinnen und Patienten der Orthopädie?
  • Ist eine Quantifizierung von Gesundheitswerten, eine Messung des Therapiefortschrittes sowohl bei Ärztinnen und Ärzten wie auch Patientinnen und Patienten akzeptiert oder ruft das eher Unsicherheiten hervor?
  • Und, wie gehen die Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer aus den unterschiedlichen Versorgungsbereichen und medizinischen Fachgebieten mit dem System um?

Wenn wir aus diesen Erkenntnissen Optimierungen für die Gestaltung von Assistenzsystemen und für ihre Integration in den Versorgungsalltag ableiten können, sind wir wieder einen Schritt weitergekommen. Unser langfristiges Ziel ist es eine standardisierte, offene Tele-Health-Plattform zu entwickeln, über die digitale Therapieanwendungen für diverse Krankheitsbilder an Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte ausgeliefert werden können. Hiermit würden wir wesentlich effizienter Verteilungswege schaffen als ständig neue, separierte Einzelanwendungen zu entwickeln und in den Umlauf zu bringen.

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