Wahl und Wechsel der Krankenkasse

Wahlmöglichkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung

Gesetzliche Krankenkassen nutzen eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Versicherten einzustellen. Dazu gehören Wahltarife, Zusatzleistungen und Bonusprogramme. Auch die Höhe des Zusatzbeitragssatzes einer Krankenkasse ist ein wichtiges Auswahlkriterium für Versicherte. Vor einer Entscheidung lohnt es, sich von unabhängigen Verbraucherorganisationen wie den Verbraucherzentralen  oder der Stiftung Warentest beraten zu lassen.

Die wichtigsten Fragen bei einem Wechsel

  • Welche speziellen Wahltarife bietet die Krankenkasse?
  • Wie hoch ist der Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse?
  • Wer bietet die beste Beratung?
  • Ist die persönliche Beratung vor Ort wichtig oder reicht eine telefonische Beratung beziehungsweise eine Beratung via Internet?
  • Welche Zusatzleistungen bietet die Krankenkasse?
  • Welche Behandlungsprogramme werden angeboten?
  • Welches Bonussystem passt individuell am besten?
  • Was ist bei einer Kündigung zu beachten?

Kündigung

Der Wechsel in eine andere gesetzliche Krankenkasse

Mitglieder der GKV können eine andere Krankenkasse wählen, wenn die gesetzliche Mindestbindungsfrist von zwölf Monaten erfüllt ist. Diese Möglichkeit besteht gleichermaßen für Pflichtversicherte und freiwillige Mitglieder. Die gesetzliche Mindestbindungsfrist entfällt allerdings, wenn die Mitgliedschaft kraft Gesetzes endet (zum Beispiel beim Wechsel des Arbeitgebers). In diesen Fällen kann das Mitglied auch ohne das Erfüllen der Mindestbindungsfrist zu einer anderen Krankenkasse wechseln.

Zum 1. Januar 2021 wurde das Krankenkassenwahlrecht reformiert und der Wechsel in eine neue Krankenkasse vereinfacht. Die Versicherten müssen seitdem bei ihrer alten Krankenkasse nicht mehr kündigen, sondern nur noch eine Wahlerklärung gegenüber der neuen Krankenkasse abgeben. Die gewählte Krankenkasse informiert daraufhin die bisherige Krankenkasse über die Wahlentscheidung. Die bisherige Krankenkasse bestätigt daraufhin der gewählten Krankenkasse das Ende der Mitgliedschaft und den Zeitpunkt der Beendigung der Mitgliedschaft. Eine Mitgliedsbescheinigung muss von der gewählten Krankenkasse seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr ausgestellt werden. Es ist ausreichend, dass Sie z. B. dem Arbeitgeber die gewählte Krankenkasse mitteilen.

An die Wahl der neuen Krankenkasse ist das Mitglied zwölf Monate gebunden. Ausnahmen von der zwölfmonatigen Bindungsfrist bestehen beispielsweise

  • wenn die Voraussetzungen für eine beitragsfreie Familienversicherung erfüllt sind,
  • bei Kündigung einer freiwilligen Mitgliedschaft, weil die Absicherung im Krankheitsfall anschließend außerhalb der GKV sichergestellt werden soll (zum Beispiel in einer privaten Krankenversicherung) oder
  • wenn die Krankenkasse in ihrer Satzung vorgesehen hat, dass die Mindestbindungsfrist nicht bei dem Wechsel in eine Krankenkasse der gleichen Krankenkassenart gilt.

Mitglieder haben ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihre Krankenkasse den Zusatzbeitragssatz erhöht. In diesen Fällen kann die Mitgliedschaft auch dann beendet werden, wenn sie noch keine zwölf Monate bestanden hat. Dazu kann die Kündigung gegenüber der Krankenkasse grundsätzlich bis zum Ablauf des Monats erklärt werden, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder für den der Zusatzbeitragssatz erhöht wird.

Eine Krankenkasse, die ihren Zusatzbeitrag erhöht, muss ihre Mitglieder spätestens einen Monat vor dem oben genannten Zeitpunkt auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen. Übersteigt der erhöhte Zusatzbeitragssatz den amtlich für die Krankenkassen bekannt gegebenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz, hat die Krankenkasse in ihrem Hinweisschreiben zusätzlich darauf aufmerksam zu machen, dass ein Wechsel in eine günstigere Krankenkasse möglich ist. Das Sonderkündigungsrecht befreit zwar von der zwölfmonatigen Bindungsfrist, nicht aber von dem erhöhten Zusatzbeitrag im Zeitraum bis zum Krankenkassenwechsel. Vereinigen sich mehrere Krankenkassen zu einer neuen Krankenkasse, steht den Mitgliedern ein Sonderkündigungsrecht zu, wenn die neu entstandene Krankenkasse einen höheren Zusatzbeitragssatz erhebt.

Versicherte, die einen Wahltarif abgeschlossen haben, sind an die Krankenkasse während der Laufzeit gebunden – das heißt in der Regel ein Jahr, bei einem Selbstbehalttarif oder dem Krankengeldtarif drei Jahre. In dieser Zeit ist ein Krankenkassenwechsel nicht möglich.

Es besteht allerdings auch bei Inanspruchnahme eines Wahltarifs die Möglichkeit, die Mitgliedschaft durch Ausübung eines Sonderkündigungsrechts vor Ablauf der Mindestbindungsfristen zu beenden, wenn die Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag erhöht. Ausgenommen von diesem Sonderkündigungsrecht ist allein der Wahltarif für Krankengeld. Außerdem haben die Satzungen der Krankenkassen für alle Wahltarife ein Sonderkündigungsrecht für besondere Härtefälle vorzusehen.

Krankenkassenwechsel bei Schließung oder Insolvenz

Wird eine Krankenkasse von der Aufsichtsbehörde geschlossen oder der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, hat sie ihre Mitglieder unverzüglich hierüber zu unterrichten sowie darüber, dass Versicherungspflichtige innerhalb von sechs Wochen nach diesem Zeitpunkt eine neue Krankenkasse wählen müssen.

Das Schreiben muss eine Liste aller Krankenkassen enthalten, zwischen denen die Mitglieder wählen können, sowie einen Vordruck für die Wahl einer neuen Krankenkasse. Dieses Formular können die Mitglieder an ihre bisherige Krankenkasse zurücksenden, sodass sie den Krankenkassenwechsel vollziehen können, ohne selbst eine Geschäftsstelle aufsuchen zu müssen.

Machen sie hiervon keinen Gebrauch, sollten Betroffene den Aufnahmeantrag persönlich abgeben oder per Post mit Rückschein senden. Dann haben sie einen schriftlichen Nachweis, wenn die Krankenkasse lange nicht reagiert oder behauptet, den Antrag nicht erhalten zu haben.

Weiterhin gilt: Jede Krankenkasse muss jede bereits in der GKV versicherte Person aufnehmen. Das gilt, egal welche Erkrankungen vorliegen, wie alt die Person ist oder wie viel sie verdient.