Früherkennung

Die Früherkennung von bestimmten Krankheiten und die Erfassung gesundheitlicher Risiken sind wesentliche Bestandteile der Prävention. Das Ziel: das Auftreten von Erkrankungen und Risikofaktoren (z.B. Bewegungsmangel) sowie von Behinderungen möglichst früh erkennen, denn im Anfangsstadium können Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten sowie die Aussicht auf Heilung besser sein.

Kinder und Jugendliche

Bei den Gesundheitsuntersuchungen für Kinder (sogenannte U-Untersuchungen) und Jugendliche (J-Untersuchung) untersucht die Ärztin oder der Arzt den allgemeinen Gesundheitszustand und ob bestimmte schwerwiegende Erkrankungen vorliegen und inwieweit sich das Kind seinem Alter entsprechend entwickelt. Die Anzahl und Inhalte der Untersuchungen werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss in der Kinder-Richtlinie und in der Jugendgesundheitsuntersuchungs-Richtlinie festgelegt. Es ist gesetzlich verankert, dass Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres Anspruch auf die entsprechenden, vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten Untersuchungen haben (dies sind aktuell die U1 bis U9 bis zum 6. Lebensjahr sowie die J1).

Zudem findet bei diesen Untersuchungen auch eine ärztliche Beratung statt. Hierzu erfasst die Ärztin oder der Arzt auch individuelle Belastungen und gesundheitliche Risikofaktoren des Kindes und informiert die Eltern hierauf abgestimmt darüber, wie sie die Entwicklung und Gesundheit ihres Kindes fördern und Risiken vermeiden können. Zudem kann die Ärztin oder der Arzt bei Bedarf eine Präventionsempfehlung ausstellen und auf regionale Eltern-Kind-Angebote hinweisen. Teil der Untersuchung sind auch die Überprüfung des Impfstatus und die Beratung zur Verbesserung des Impfschutzes des Kindes. Bei Erstaufnahme eines Kindes in die Kita muss eine ärztliche Impfberatung nachgewiesen werden.

Erwachsene

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Früherkennungsuntersuchungen für Erwachsene, um bestimmte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie einige Krebsarten rechtzeitig zu erkennen und möglichst erfolgreich behandeln zu können.

Neben der ärztlichen Gesundheitsuntersuchung, besser bekannt als „Check-up“, gehören verschiedene Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (zum Beispiel auf Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs) zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen.

Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister (Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz – KFRG), das am
9. April 2013 in Kraft trat, wird die bestehende Krebsfrüherkennung weiter verbessert. Um die Menschen besser zu erreichen, werden sie künftig persönlich beziehungsweise schriftlich zur Früherkennung von Darmkrebs und von Gebärmutterhalskrebs eingeladen. Bisher gibt es ein vergleichbares Einladungsverfahren beim Mammographie-Screening zur Brustkrebsfrüh­erkennung. Die Teilnahme an der Früherkennung ist selbstverständlich freiwillig. Der verantwortliche Gemeinsame Bundesausschuss hat im Jahr 2018 die fachlichen Inhalte zur Überführung der bisherigen Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung in sogenannte organisierte Screening-Programme mit einem Einladungs- und Informationssystem und umfassender Qualitäts- und Erfolgskontrolle beschlossen. Die gesetzlichen Krankenkassen werden erstmals ab Juli 2019 an ihre Versicherten ab 50 Jahren Einladungen einschließlich Informationen zum Darmkrebs-Screening versenden. Die Einladungen zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung für Versicherte ab 20 Jahren werden ab Januar 2020 folgen.

Auf der Grundlage des Präventionsgesetzes von 2015 wird die ärztliche Gesundheitsuntersuchung bzw. der "Check-up" vom verantwortlichen Gemeinsamen Bundesausschuss schrittweise weiterentwickelt. Bei der Untersuchung werden zum Beispiel gesundheitliche Belastungen und Risikofaktoren, wie Bewegungsmangel und Übergewicht, nun verstärkt erfasst sowie der Impfstatus überprüft. Anhand der Untersuchungsergebnisse können Ärztinnen und Ärzte den Versicherten individuelle Maßnahmen zur Primärprävention, zum Beispiel Kurse zur Bewegung, Ernährung ­oder Stressregulation, empfehlen und hierzu seit 2017 eine ärztliche Bescheinigung ausstellen. Die Bescheinigung dient den Krankenkassen als eine wichtige Grundlage für die Entscheidung über die Gewährung von Präventionsmaßnahmen. Seit April 2019 haben gesetzlich versicherte Frauen und Männer erstmals zwischen 18 und 34 Jahren einen einmaligen Anspruch auf den Check-up. Versicherte ab 35 Jahre haben nunmehr alle drei Jahre Anspruch auf eine Check-up-Untersuchung.

Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Alle vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seinen Richtlinien empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen sind Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen – sie sind generell zuzahlungsfrei. Manche Krankenkassen bieten darüber hinaus zuzahlungsfreie Untersuchungen an. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach oder informieren Sie sich auf deren Internetseiten oder im Mitgliedermagazin.

Wenn Versicherte regelmäßig an der Früherkennung teilnehmen, kann ihre Krankenkasse ihnen dafür einen Bonus gewähren. Zudem sind die Krankenkassen verpflichtet, ihre Versicherten zu Beginn eines Kalenderjahres über alle Früherkennungsmaßnahmen zu informieren.