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Bewegung und Bewegungsförderung – Förderschwerpunkt

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verfolgt mit dem Förderschwerpunkt „Bewegung und Bewegungsförderung“ das Ziel, das gesundheitliche Potenzial von Bewegung in der gesamten Bevölkerung bekannt zu machen. Somit sollen Grundlagen geschaffen werden, um Menschen zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren. Denn Bewegungsmangel ist einer der zentralen Risikofaktoren für die Entstehung der meisten nicht-übertragbaren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II, Gelenk- und Rückenleiden. Der Einfluss von körperlicher Aktivität auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ist unbestritten.

Von 2019 bis 2022 werden daher vom BMG insgesamt zehn Vorhaben gefördert, wobei der Schwerpunkt auf der praxisnahen Implementierungsforschung liegt, um in Zukunft tatsächlich etwas im Bewegungsalltag der Menschen verändern zu können. Der Wissenschafts-Praxis-Austausch spielt hier eine wichtige Rolle. Dabei stehen vor allem folgende Fragestellungen im Mittelpunkt:

Wie können Menschen in den einzelnen Lebenswelten konkret in Bewegung gebracht werden? Welche unterschiedlichen Zugangswege lassen sich für verschiedene Zielgruppen feststellen? Welche Arten von Bewegung (bspw. Alltagsaktivität, Freizeitunternehmungen, organisierter Sport) kommen bei den verschiedenen Zielgruppen gut an? 

Die geförderten Projekte decken verschiedene Lebenswelten, Ziel- und Altersgruppen ab, so dass möglichst die gesamte Bevölkerung abgebildet werden kann.

Der Verlauf der Projekte wird von einem Beirat begleitet, der insbesondere die bundesweite Verbreitung und nachhaltige Verankerung der Ergebnisse unterstützen soll.

Der Förderschwerpunkt baut auf den mit BMG-Förderung entstandenen Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung auf. Mit diesen wurde erstmalig für Deutschland die wissenschaftliche Grundlage für den Nutzen von Bewegung für die Gesundheit beschrieben und aufgezeigt, wie Bewegung im Alltag der Menschen in den unterschiedlichen Lebenswelten gefördert werden kann.

Folgende zehn Vorhaben werden im Förderschwerpunkt gefördert:

Übergeordnetes Ziel:

Planung und Implemen­tierung von Bewegungs­förderung mit kommu­nalen Schlüssel­figuren

Durchführende Organisation:

Pädagogische Hochschule Heidelberg

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Planung und Umsetzung von verhältnispräventiven Maßnahmen zur Bewegungsförderung in Kommunen. Dies wird zum einen durch Identifikation und Analyse der zentralen Kompetenzen von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Bewegungsförderung sowie durch Befähigung selbiger zu einem theoriegeleiteten, systematischen Interventionsplanungs- und Implementierungsprozess erreicht. Zum anderen wird das Entscheidungsverhalten von kommunalen Entscheidungsträgern für verhältnispräventive Interventionen der Bewegungsförderung erforscht, um dieses beim systematischen Planungs- und Implementierungsprozess verstehen und berücksichtigen zu können. Dieses wird in zwei Modellkommunen begleitet und durchgeführt.

Übergeordnetes Ziel:

Bewegungsförderung für vulnerable Grundschul­kinder und deren Fami­lien in Schule und Quar­tier

Durchführende Organisation:

Deutsche Sporthochschule Köln

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist es, Grundschulkinder (in vier Schulen) und deren Familien in zwei sozial-deprivierten Kölner Quartieren bzgl. Bewegungszeit und -umfang sowie bewegungsbezogener Gesundheitskompetenz (Physical Literacy) nachhaltig zu fördern. Das durch das Vorhaben generierte Wissen soll in Form eines Transferleitfadens für andere Settings und Kommunen verfügbar gemacht werden und somit eine Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis schließen, da oftmals wissenschaftliche Untersuchungen nur geringe Anwendungsanteile enthalten.

Übergeordnetes Ziel:

Entwicklung eines Bewe­gungs-Baukastens für Schulen

Durchführende Organisation:

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS GmbH

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist die Ermittlung von Erkenntnissen, welche verhältnis- und verhaltensorientierten Maßnahmen, die eine nachhaltige Erhöhung von Bewegung und Fitness ermöglichen, ergriffen werden müssen, um etablierte, wirksamkeitsgeprüfte und über das Setting Schule implementierbare Maßnahmen zur Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen in den Lebenswelten (z.B. Schule, Familie, Kommune) zu implementieren. Diese Erkenntnisse fließen in die Entwicklung eines „Maßnahmen-Baukasten“ zur Bewegungsförderung ein, der gemeinsam mit Schulkindern und weiteren Stakeholdern partizipativ entwickelt wird.

Übergeordnetes Ziel:

Entwicklung eines „Geh-sundheitspfads“ für (zukünftige) Seniorinnen und Senioren im Quartier

Durchführende Organisation:

Technische Universität Dresden

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Vorhabens ist die Förderung von Bewegung sowie die Stärkung von Gesundheits- und Umweltkompetenz bei Personen im Übergang in die nachberufliche Lebensphase sowie während der nachberuflichen Lebensphase.

Dies soll mit der Entwicklung und Implementierung eines „Geh-sundheitspfades“ in einem Dresdner Quartier umgesetzt werden, wobei an vorhandene Angebote und Infrastruktur angeknüpft wird. Hauptfragestellung des Projektes ist dabei, wie der „Geh-sundheitspfad“ als Gesundheitsförderungsmaßnahme im Quartier gestaltet sein muss, damit sich (zukünftige) Seniorinnen und Senioren mehr bewegen.

Übergeordnetes Ziel:

Bewegungsförderung für Beschäftigte kleiner Betriebe in Betriebsnachbarschaften

Durchführende Organisation:

Deutsche Sporthochschule Köln

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist die Konzeption, Implementierung und Evaluation einer überbetrieblichen Bewegungsnachbarschaft mit dem Angebot einer Multikomponenten-Intervention zur Bewegungsförderung für Beschäftige in Klein- und Kleinstunternehmen (weniger als 50 Beschäftigte). Ausgangspunkte dafür bilden eine Betriebsnachbarschaft (aus ca. 10 branchenübergreifenden KKU) und ein kommunal-regionales Netzwerk mit Entscheidungsträgern aus den Gesellschaftsbereichen Gesundheit, Politik und Verwaltung, Sport und Wirtschaft sowie Bildung und Forschung. Die Intervention ist trägerübergreifend und intersektoral angelegt. Bestehende Angebote aus dem überbetrieblichen Netzwerk sollen genutzt und bei Bedarf weitere zielgruppenspezifische Angebote ergänzt werden.

Übergeordnetes Ziel:

Integration des Themas Bewegung ins Versorgungssystem

Durchführende Organisation:

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projekts ist es, über einen Beteiligungsansatz mit zentralen Akteuren des deutschen Gesundheitssystems ärztlich initiierte Versorgungsketten zur Bewegungsförderung für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen partizipativ zu entwickeln, zu erproben, zu evaluieren und zu verstetigen. In der Umsetzungsphase werden die Versorgungsketten im Rahmen eines regionalen Modellvorhabens implementiert, erprobt und evaluiert. Basierend auf den Evaluationsergebnissen entsteht ein Disseminierungs- und Skalierungskonzept zum Transfer in die Regelnutzung.

Übergeordnetes Ziel:

Organisations- und Individualberatung in Alterswohnheimen und Betreutem Wohnen

Durchführende Organisation:

Eberhard Karls Universität Tübingen

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist es, in einem partizipativen Prozess Strategien der Bewegungsförderung für das Setting Altenwohnheime/Betreutes Wohnen zu entwickeln und Erkenntnisse über förderliche und hinderliche Faktoren der Implementation bewegungsförderlicher Maßnahmen zu generieren. Durch die Maßnahmen soll erreicht werden, dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Altenwohnheimen und Betreutem Wohnen möglichst lange autonom ohne Pflegebedürftigkeit bleiben bzw. dass ein bereits bestehender geringer Grad an Pflegebedürftigkeit nicht höher wird.

Übergeordnetes Ziel:

Bewegungsförderung für Kundinnen und Kunden der Tafel

Durchführende Organisation:

Goethe-Universität Frankfurt

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist es, durch die Etablierung eines Bewegungsberatungsangebots gesundheits- und bewegungsbezogene Ressourcen von Tafelkundinnen und -kunden zu stärken, ihr Bewegungsverhalten zu verbessern und in der Kommune ein lokales Netzwerk für die Unterstützung dieser Ziele zu verankern. Hierfür sollen über die Lebensmittelausgabe­stellen bzw. Cafés der Tafel in der Rhein-Main-Region  vulnerable Gruppen in unterschiedlichen Lebenslagen erreicht werden.

Übergeordnetes Ziel:

Begleitende Evaluation der Praxisvorhaben über drei Jahre

Durchführende Organisation:

nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung e.V.

Hochschule für Gesundheit Bochum

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Mit dem Projekt sollen die praxisrelevanten Vorhaben von acht Modellprojekten zur Bewegung und Bewegungsförderung  begleitend evaluiert werden, um fundierte Erkenntnisse zur Wirksamkeit, Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit dieser Projekte zu gewinnen. Ziel des Projekts ist daher die Durchführung einer „aktivierenden“ Evaluation, deren wesentliche Merkmale eine Ausrichtung auf die Potenziale der Beteiligten, die Einbeziehung aller relevanten Gruppen und die Anpassung der Evaluationsmethoden an die Zielgruppen sind. Darüber hinaus soll ein Beitrag zur Vernetzung dieser Projekte geleistet und den Projekten ermöglicht werden, von den Erfahrungen der Anderen im Projektverlauf zu profitieren.

Übergeordnetes Ziel:

Systematisierung und Analyse von Bewegung und Bewegungsförderung

Durchführende Organisation:

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Kurzbeschreibung der Maßnahme:

Ziel des Projektes ist es, vorhandene Wissenslücken bezüglich Bewegungsorten, Motivation für Bewegung sowie Bedürfnissen von Akteurinnen und Akteuren der Bewegungsförderung durch eine Bündelung von Expertise und Daten zum Bewegungsverhalten in Deutschland zu schließen. Dazu werden Datensätze aus deutschlandweiten Studien zum Bewegungsverhalten der Bevölkerung zusammengeführt sowie systematische Reviews und Interviews durchgeführt, um vorhandene Daten und vielfältige wissenschaftliche Expertise zu bündeln und zusammenzuführen.