Ziel 11b - Verbesserung der Beratungs- und Hilfsangebote für Krebskranke und ihre Angehörigen

Es liegen für alle Krebspatienten und ihre Angehörigen niederschwellige, zielgruppengerechte und qualitätsgesicherte Beratungs- und Hilfsangebote vor:

  • Sicherung der Qualität und Seriosität der verfügbaren Beratungs- und Hilfsangebote

  • Bessere Vernetzung und Vereinheitlichung der vorhandenen Angebote für Krebspatienten und ihre Angehörigen

  • Schaffung niederschwelliger zielgruppengerechter Angebote zur besseren Steuerung/Lotsung des Krebspatienten/der Krebspatientin durch das Gesundheitssystem

Hintergrund

An Krebs erkrankte Menschen sowie deren Angehörige müssen zumeist weitreichende Entscheidungen in emotional stark belastenden Situationen treffen. Sie sind daher in hohem Maße auf seriöse Informationen (Ziel 11a) und auf zuverlässige, unabhängige, zeitnahe und gut zugängliche Beratungs- und Hilfsangebote angewiesen. Diese Angebote sollen nicht nur medizinische, sondern insbesondere auch psychosoziale Inhalte und Aspekte abdecken, die für die Krebskranken zum gegebenen Zeitpunkt im Verlauf der Krebserkrankung relevant sein können. Daher ist die Verbesserung des Zugangs von Krebskranken zu Krebsberatungsangeboten sowie zu Krebs-Selbsthilfe-Einrichtungen von großer Bedeutung. Hierbei spielt auch die Verbesserung der Qualität von Beratung und Dokumentation in ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen eine wichtige Rolle. Psychosoziale Krebsberatung sollte Berufe-übergreifend angelegt sein und den Betroffenen und ihren Angehörigen bei Bedarf während des gesamten Krankheitsverlaufs sowohl stationär als auch ambulant zur Verfügung stehen – das heißt von Diagnosestellung, Therapie über Rehabilitation bis hin zur etwaigen Rezidiv-, Palliativ- und Sterbephase.

Auch wenn bereits vielfältige Unterstützungsangebote für Krebskranke in Deutschland bestehen, sind die vorhandenen Strukturen künftig besser miteinander zu vernetzen. Für eine kontinuierliche Betreuung sind die häufig bestehenden Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung zu überwinden. So kann sichergestellt werden, dass Krebskranke und ihre Angehörigen zum individuell richtigen Zeitpunkt Zugang zu einer Krebsberatung erhalten.

Empfehlungen und Maßnahmen

Folgende Maßnahmen wurden von der Experten-Arbeitsgruppe im Jahr 2016 empfohlen:

  1. Verbesserung der Erreichbarkeit von Beratungs- und Hilfsangeboten:

    • Prüfung des Ausbaus eines flächendeckenden Netzes von (ambulanten) Beratungs- und Hilfsangeboten auf Grundlage der (für 2018 erwarteten) Ergebnisse der vom Bundesgesundheitsministerium (seit August 2016) geförderten Bestandsaufnahme und Analyse zur psychoonkologischen Versorgung in Deutschland (s. Ziel 9)

  2. Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu vorhandenen Beratungseinrichtungen:

    • Optimierung der Nutzung bestehender Beratungs- und Hilfsangebote durch ein regelhaftes Angebot von psychosozialer Beratung für alle Krebspatientinnen und -patienten – unabhängig vom Behandlungssetting

    • Konzeptentwicklung, die die regelhafte Vernetzung der in der Versorgung Beteiligten zum Ziel hat (intrasektoral und intersektoral), und die Umsetzung dieses Konzeptes

    • Darlegung von Verweisungspraxis und Kooperationen mit stationären und ambulanten Versorgern im Versorgungsbereich von Krebskranken: Entwicklung und bei Bedarf Offenlegung von Standard Operating Procedures (SOP) zur Verweisungspraxis und zu Kooperationen

  3. Maßnahmen der Qualitätssicherung ambulanter psychosozialer Beratungsangebote:

    • Anforderungskatalog für vorzuhaltende inhaltliche Beratungsschwerpunkte

    • Weiterentwicklung/Ergänzung von notwendigen Qualitätskriterien sowie Definition von einheitlichen Standards qualitätsgesicherter psychosozialer Krebsberatung

    • Strategieentwicklung zur Sicherstellung der Umsetzung von Qualitätsstandards und zur Überprüfung/Evaluation der erbrachten Qualität

    • Verpflichtende Dokumentation und Transparenz der erbrachten Qualität

  4. Maßnahmen der Weiterentwicklung von Beratungskonzepten und -methoden:

    • Entwicklung von spezifischen Beratungskonzepten für unterversorgte Zielgruppen (u. a. bildungsschwache Bevölkerungsgruppen, Bevölkerungsgruppen anderer Kulturkreise, Kinder und Jugendliche, schlechter zugängliche Gruppen, multimorbide Krebskranke)

  5. Optimierung des Zugangs zur Selbsthilfe:

    • Weitergabe von Informationen über Krebs-Selbsthilfeangebote durch alle am Versorgungsprozess beteiligten Leistungserbringer im Rahmen strukturell festgelegter Prozesse

    • Anerkennung der Krebs-Selbsthilfe als integrierter Bestandteil der psychosozialen Unterstützung betroffener Menschen und ihrer Angehörigen (Ermöglichung eines besseren Zugangs zur Krebs-Selbsthilfe im stationären und ambulanten Versorgungskontext)

Die Experten-Arbeitsgruppe hat diese fünf Maßnahmen wie folgt priorisiert:

  1. Sicherung des Zugangs zu bestehender psychosozialer Beratung

  2. Sicherung des Zugangs zur Selbsthilfe

  3. Optimierung der Nutzung bestehender Beratungs- und Hilfsangebote

  4. Beschreibung und Sicherung von Qualität in der psychosozialen Beratung

  5. Prüfung eines Ausbaus eines flächendeckenden Netzes von Beratungs- und Hilfsangeboten

 

Die empfohlenen Maßnahmen der Experten-Arbeitsgruppe zu Ziel 11b wurden bzw. werden ebenso wie die Maßnahmen zu Ziel 9 (angemessene psychoonkologische Versorgung) von einer eigenen Arbeitsgruppe im Nationalen Krebsplan beraten (AG KBS). In einem ersten Schritt hat die AG KBS einen Entwurf für „Empfehlungen für einen Leistungskatalog und Qualitätskriterien für ambulante psychosoziale Krebsberatungsstellen“ erarbeitet. Diese Empfehlungen sollen nun um weitere ergänzt werden mit Blick auf eine künftige nachhaltige Finanzierung von ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen.