Ziel 2 - Organisatorische Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennungsprogramme

Die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, die nachweislich in der Lage sind, die Mortalität an der Zielerkrankung zu senken, berücksichtigen die europäischen Empfehlungen an systematische populationsbasierte Screeningprogramme.

Zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen und effektiven Krebsfrüherkennung mit Minimierung des potenziellen Schadens und Maximierung des potenziellen Nutzens wird international, u.a. in Europäischen Empfehlungen des Rates (2003/878/EG) sowie in Europäischen Leitlinien, empfohlen, Früherkennungsuntersuchungen im Rahmen organisierter Screeningprogramme zu erbringen. Kernelemente organisierter Programme sind: Einladungssystem, Qualitätssicherung sowie eine Prozess- und Ergebnisevaluation. Bislang erfüllt in Deutschland nur das seit 2009 zur Brustkrebsfrüherkennung flächendeckend eingeführte Mammographie-Screening-Programm die Anforderungen an ein organisiertes Screening-Programm.

Ziel des Nationalen Krebsplans ist es, die derzeit bestehenden opportunistischen Angebote zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (Ziel 2a) und von Darmkrebs (Ziel 2b) weiterzuentwickeln und in organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme umzuwandeln, unter Berücksichtigung der Empfehlungen entsprechender Europäischer Leitlinien (European guidelines for quality assurance in cervical cancer screening, Second Edition, 2008; Supplements to the second edition of the European guidelines for cervical cancer screening, 2015; European guidelines for quality assurance in colorectal cancer screening and diagnosis, First Edition, 2010).

Mit dem am 9. April 2013 in Kraft getretenen Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz wurde der notwendige gesetzliche Rahmen geschaffen, um unter anderem die Krebsfrüherkennung weiterzuentwickeln sowie die medizinische Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Deutschland zu verbessern. Dabei obliegt dem Gemeinsamen Bundesausschuss die inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hierzu werden die bestehenden Früherkennungsuntersuchungen für Gebärmutterhalskrebs und für Darmkrebs in organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme mit einem persönlichen Einladungswesen sowie durchgängiger Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle überführt. Mit der künftigen Einladung soll auch eine neutrale, ausgewogene und verständliche Information über Vor- und Nachteile der jeweiligen Krebsfrüherkennungsmaßnahme erfolgen, um den Versicherten eine informierte, freie Entscheidung über eine Teilnahme zu ermöglichen. Durch die neuen gesetzlichen Regelungen wurden somit die Voraussetzungen geschaffen, um die Krebsfrüherkennung künftig mit einer höheren Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit durchzuführen. Durch das Einladungswesen können zudem mehr Menschen von den Angeboten erreicht werden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 19. Juli 2018 die umfangreiche Erstfassung einer „Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme“ mit einem besonderen Teil für das Darmkrebs-Screening beschlossen. Dieser Beschluss ist auf den Internetseiten des G-BA veröffentlicht. Voraussichtlich werden ab Juli 2019 die Krankenkassen die ersten Einladungen nebst Versicherteninformationen (im Sinne von Entscheidungshilfen) zum Darmkrebs-Screening an ihre Versicherten versenden. Der G-BA-Beschluss zu einem besonderen Teil für das Screening-Programm für Gebärmutterhalskrebs erfolgte am 22. November 2018. Dieser Beschluss ist ebenfalls auf den Internetseiten des G-BA veröffentlicht. Er sieht vor, dass die Krankenkassen die anspruchsberechtigten Frauen ab dem Jahr 2020 anschreiben und über das neu gestaltete Gebärmutterhalskrebs-Screening informieren. Der o.g. G-BA-Beschluss vom 22. November 2018 liegt dem Bundesministerium für Gesundheit derzeit zur rechtsaufsichtlichen Prüfung vor.