Fragen und Antworten zur Telematikinfrastruktur und elektronischer Gesundheitskarte

Wozu dient die Telematikinfrastruktur?

Es gibt kaum eine Innovation, die unser Leben in den letzten 20 Jahren so verändert hat wie das Internet und die damit verbundene Digitalisierung in unserer Gesellschaft. Auch im Gesundheitswesen ist die digitale Revolution angekommen. Fast alle Praxen und Krankenhäuser nutzen digitale Datenverarbeitung. Bei der Übermittlung dieser Daten stecken wir aber oftmals noch im analogen Zeitalter von Brief und Fax. Daher nutzen wir die Chancen der Digitalisierung endlich auch für eine bessere medizinische Versorgung .

Die Versicherten erwarten zu Recht, dass medizinische Daten immer dann zur Verfügung stehen, wenn sie für ihre Behandlung benötigt werden. Und das unter Beachtung von Datensicherheit und Datenschutz!

Daher wurde eine besondere, sichere digitale "Datenautobahn" für das Gesundheitswesen, die sog. Telematikinfrastruktur (TI), eingeführt. Sie verbindet die Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Leistungserbringer im Gesundheitswesen sicher miteinander, so dass sie besser und schneller miteinander kommunizieren können. Sie ermöglicht zudem Versicherten, ihren Behandlern wichtige Gesundheitsdaten zeitnah und sicher zur Verfügung zu stellen. Zuständig für die Schaffung der TI ist die Gesellschaft für Telematik (gematik).

Es handelt sich um ein komplexes IT Projekt – es gibt in Deutschland allein mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherte –, das schrittweise umgesetzt wird. Der erste Schritt war die Ausgabe von elektronischen Gesundheitskarten (eGK). Nachdem bereits die Arzt- und Zahnarztpraxen bundesweit flächendeckend an die TI angeschlossen worden sind, folgen die Apotheken und Krankenhäuser. Weitere Leistungserbringergruppen und Einrichtungen, wie beispielsweise der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) oder auch Pflege- und Reha-Einrichtungen sowie Hebammen und Physiotherapeuten, sollen in den kommenden Jahren angeschlossen werden, so dass das Potenzial der TI zur Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung umfassend ausgeschöpft werden kann.

Aufbauend auf dem fortschreitenden Ausbau der TI werden seit Herbst 2020 schrittweise die ersten medizinischen Anwendungen der eGK – der elektronische Medikationsplan (eMP) und die Notfalldaten – sowie der sichere Kommunikationsdienst KIM (Kommunikation im Medizinwesen) eingeführt.

Die Einführung nutzbringender Anwendungen, wie dem modernen Versichertenstammdatenmanagement, den Notfalldaten, dem Medikationsplan, der elektronischen Patientenakte (ePA) und den telemedizinischen Anwendungen, wird durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gesetzlichen Anreizen, Fristen und Sanktionen flankiert. Die Richtung stimmt. Das zeigt die Einhaltung der einzelnen Umsetzungsstufen durch die Beteiligten.

Was bringen die Telematikinfrastruktur und die elektronische Gesundheitskarte für die Versicherten?

Die Versicherten profitieren von der TI und der eGK durch:

  • Aktuelle Versichertendaten in der Arztpraxis

    Die erste Online-Anwendung der eGK ermöglicht den Online-Abgleich und die Online-Aktualisierung der administrativen Daten der Versicherten, zum Beispiel bei einem Umzug. Dadurch ist sichergestellt, dass immer aktuelle Daten in der Arztpraxis vorliegen.

  • Lebensrettende Notfalldaten

    Die Bereitstellung der Notfalldaten gehört zu den ersten medizinischen Anwendungen der eGK in der TI. Seit Herbst 2020 können Versicherte persönliche Gesundheitsdaten, wie beispielsweise Informationen zu Arzneimittelunverträglichkeiten, Allergien und chronischen Erkrankungen, deren Kenntnis bei einer Behandlung im Notfall wichtig sein können, als Notfalldaten digital auf ihrer eGK speichern lassen. Darüber hinaus können in der Anwendung Notfalldaten auch weitere medizinische Hinweise, beispielsweise zu einer aktuellen Schwangerschaft oder zu Implantaten sowie Kontaktdaten zu behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie zu Personen, zum Beispiel Angehörige, die im Notfall benachrichtigt werden sollen, hinterlegt werden. Im medizinischen Ernstfall können diese Daten dann von Ärztinnen und Ärzten auf der eGK ausgelesen werden. Versicherte können diese Notfalldaten ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten auch im Rahmen der Regelversorgung, außerhalb der akuten Notfallversorgung, zur Verfügung stellen. Sie haben diesen gegenüber auch einen Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung der elektronischen Notfalldaten.
    Die Nutzung der Notfalldaten ist für die Versicherten freiwillig. Im Unterschied zu den anderen medizinischen Anwendungen der TI, wie beispielsweise der elektronische Medikationsplan (eMP) oder die ePA, ist für den Zugriff auf die Notfalldaten keine Eingabe einer persönlichen Identifikationsnummer (PIN) der Versicherten erforderlich. So wird sichergestellt, dass Ärztinnen und Ärzte in medizinischen Akutfällen, in denen der Versicherte situationsbedingt nicht in der Lage ist, den Zugriff auf die Notfalldaten durch eine PIN-Eingabe freizugeben, dennoch auf die für diese Situation hinterlegten Notfalldaten zugreifen können. Ein Zugriff auf die Notfalldaten ist für Ärztinnen und Ärzte unter Einsatz ihres elektronischen Heilberufsausweises (eHBA) möglich.
    Auf Wunsch der beziehungsweise des Versicherten können neben den Notfalldaten auch persönliche Hinweise auf das Vorliegen einer schriftlichen Erklärung zur Organ- und Gewebespende, einer Patientenverfügung oder auch einer Vorsorgevollmacht und deren Aufbewahrungsort (zum Beispiel "in der linken Schreibtischschublade") auf der eGK hinterlegt werden. So können Versicherte sicherstellen, dass ihre entsprechenden Erklärungen, soweit erforderlich, besser auffindbar sind. Da ein Zugriff auf die auf der eGK gespeicherten Notfalldaten immer den Einsatz eines eHBA erfordert, können Versicherte ihre Notfalldaten nur in einer Leistungserbringerumgebung, zum Beipsiel einer Arztpraxis, einsehen.
    In weiteren Entwicklungsstufen der TI, schrittweise beginnend ab dem 1. Juli 2023, werden die elektronischen Notfalldaten gemeinsam mit den Daten zu Hinweisen der Versicherten auf das Vorhandensein und den Aufbewahrungsort persönlicher Erklärungen technisch zu einer elektronischen Patientenkurzakte (ePKA) weiterentwickelt, die als Online-Anwendung der TI nicht mehr auf der eGK gespeichert wird. Auf Daten der ePKA können Versicherte über ihr Smartphone, Tablet oder ihren Desktop-Computer und der ePA-App, die ihnen von ihrer Krankenkasse für die Nutzung der digitalen medizinischen Anwendungen zur Verfügung zu stellen ist, dann auch selbstständig – außerhalb einer Leistungserbringerumgebung- zugreifen. Darüber hinaus sollen Versicherte künftig auch die Möglichkeit erhalten, auf eigenen Wunsch Daten ihrer ePKA innerhalb der Europäischen Union zur Unterstützung ihrer Behandlung im europäischen Ausland bereitzustellen. So können Versicherte sicherstellen, dass ihre medizinischen Daten auch bei einer Behandlung im EU-Ausland berücksichtigt werden können.
    Genau wie die Nutzung der Notfalldaten ist auch die Nutzung der künftigen ePKA für die Versicherten freiwillig.
  • Mehr Medikationssicherheit

    Unerwünschte Arzneimittelwirkungen betreffen insbesondere Menschen, die langfristig mehrere Arzneimittel gleichzeitig anwenden. Die Schätzungen, wie viele Menschen davon betroffen sein könnten, gehen stark auseinander. So wird geschätzt, dass etwa fünf bis 10 Prozent aller Krankenhauseinweisungen auf unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln zurückgehen und ein Viertel davon vermieden werden könnte. Das hieße, dass schätzungsweise rund 250.000 bis 500.000 Krankenhauseinweisungen jährlich auf vermeidbare Medikationsfehler zurückzuführen wären. Ein einheitlicher Medikationsplan, in dem die Medikation und Anwendungshinweise übersichtlich und patientenverständlich dargestellt sind, sorgt für mehr Sicherheit im Umgang mit Arzneimitteln.
    Gesetzlich versicherte  Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben seit dem 1. Oktober 2016 einen Anspruch auf Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans in Papierform durch ihre Ärztin oder ihren Arzt. Die Selbstverwaltungspartner in der gesetzlichen Krankenversicherung haben die Regelung dahingehend konkretisiert, dass dabei nur solche Arzneimittel relevant sind, deren Einnahme über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen erfolgt. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, ihre Patientinnen und Patienten über deren Anspruch auf einen Medikationsplan aufzuklären.
    Mit dem Medikationsplan, der der Patientin beziehungsweise dem Patienten ausgehändigt wird, sehen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, welche Medikamente ihre Patientin beziehungsweise ihr Patient aktuell einnimmt und sind auf diese Weise besser über die weitere Medikation ihrer Patientinnen und Patienten informiert. So können gegebenenfalls bestehende gefährliche Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten besser erkannt und vermieden werden. Vom Medikationsplan profitieren vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Gleiches gilt bei der Abgabe von Medikamenten in der Apotheke.
    Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans sollen durch die Ärztin beziehungsweise den Arzt erfolgen, der die Patientin beziehungsweise den Patienten schwerpunktmäßig betreut und die medizinisch notwendigen Therapie- und Diagnostikmaßnahmen koordiniert. Dies sind in der Regel die Hausärztinnen und Hausärzte. Patientinnen und Patienten, die keine Hausärztin oder keinen Hausarzt haben und deren ärztliche Betreuung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt erfolgt, haben einen Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans durch diesen Facharzt beziehungsweise die Fachärztin.
    Die Ärztinnen und Ärzte, die den Medikationsplan initial erstellt haben, haben diesen in Papierform zu aktualisieren, sobald sie die Medikation ändern oder Kenntnis davon erlangen, dass eine anderweitige Änderung der Medikation eingetreten ist.
    Der Medikationsplan kann mit Einwilligung der Patientin beziehungsweise des Patienten auch elektronisch auf der eGK gespeichert werden. Mit der elektronischen Bereitstellung können mitbehandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker sicherer über die Medikation der Versicherten informiert werden. Gleichzeitig wird auch die Aktualisierung der Medikationsdaten erleichtert. Die Nutzung des eMP ist für die Versicherten freiwillig.
    Apothekerinnen und Apotheker sind von Anfang an miteinbezogen und genau wie die weiteren Behandler verpflichtet, den Medikationsplan auf Wunsch der Patientin beziehungsweise des Patienten zu aktualisieren, wenn sich die Medikation ändert und ihnen der eMP zur Aktualisierung vorliegt.
    Für die Nutzung des eMP benötigen Versicherte ihre eGK sowie ihre PIN, die sie von ihrer Krankenkasse erhalten. Durch die Eingabe der PIN geben Versicherte in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder in der Apotheke den Zugriff auf ihre Daten frei. Falls Versicherte dies wünschen, können sie die PIN-Funktion auch deaktivieren und den eMP beim Arzt oder bei der Ärztin oder in der Apotheke ohne PIN-Freigabe nutzen.
  • Mehr medizinische Informationen für eine bessere Diagnose und Therapie: Die elektronische Patientenakte

    Die Krankenkassen sind verpflichtet, seit dem 1. Januar 2021 ihren Versicherten eine ePA in mehreren Ausbaustufen zur Verfügung zu stellen. Zunächst können Daten der Patientinnen und Patienten aus bereits vorhandenen Anwendungen und Dokumentationen, wie zum Beispiel Notfalldaten, Medikationsplan oder Arztbriefe, in der ePA bereitgestellt werden. Patientinnen und Patienten können ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte damit zur Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität über diese wichtigen Gesundheitsdaten informieren. In der ePA können Versicherte auch eigene Daten, wie zum Beispiel ein Tagebuch über Blutzuckermessungen, ablegen. Sie können ihre Daten auch außerhalb der Arztpraxis eigenständig einsehen. Dabei kann die Einsichtnahme über ein geeignetes mobiles Endgerät wie zum Beispiel ein Smartphone erfolgen. Für Versicherte, die über kein mobiles Endgerät verfügen oder dieses nicht für den Zugriff auf medizinische Anwendungen nutzen möchten, werden alternative Zugangsmöglichkeiten geschaffen. Ihnen ist die Nutzung der ePA ab dem 1. Januar 2022 auch über einen Desktop PC möglich.
    Damit sind die Patientinnen und Patienten über Diagnose und Therapie viel genauer und umfassender informiert und können besser als bisher über ihre Gesundheit mitentscheiden. Dies ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.
    Die ePA ist eine versichertengeführte elektronische Akte, deren Nutzung für die Versicherten freiwillig ist (Opt-in). Der Versicherte ist der Souverän seiner Daten. Er entscheidet von Anfang an, welche Daten gespeichert werden, wer zugreifen darf und ob Daten wieder gelöscht werden. Neben Befunden, Arztberichten oder Röntgenbildern lassen sich ab dem 1. Januar 2022 auch der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahn-Bonusheft in der ePA speichern.
    Die Versicherten erhalten bei der Führung ihrer ePA Unterstützung durch umfassende Aufklärung und Information durch die Krankenkassen, klar geregelte Ansprüche gegen Leistungserbringer und Krankenkassen auf Übermittlung und Speicherung von Daten sowie Beratung bei der Nutzung der ePA. Hierzu sind gesetzliche Vergütungsregelungen für die Leistungserbringer vorgesehen.
    Die sensiblen Gesundheitsdaten wie Befunde, Diagnosen, Medikationen oder Behandlungsberichte werden bestmöglich durch klare Regeln für Datenschutz, Datensicherheit und datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit in der Telematikinfrastruktur geschützt.
    Ab dem 1. Januar 2022 erhalten Versicherte die Möglichkeit, über ihr Smartphone oder Tablet für jedes in der ePA gespeicherte Dokument einzeln zu bestimmen, wer darauf zugreifen kann (feingranulares Berechtigungsmanagement). Versicherte erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, Daten ihrer ePA pseudonymisiert und verschlüsselt freiwillig der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen.
  • Mehr Leistungen bei der Telemedizin

    Der Begriff "Telemedizin" beschreibt eine Vielzahl von digital-basierten Formaten, die zunehmend in der Gesundheitsversorgung etabliert werden. Telemedizin bringt nicht nur medizinische Expertise zu den Menschen, egal ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben. Telemedizinangebote kommen vor allem älteren und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen zugute.
    Bekanntestes Beispiel ist die Videosprechstunde: Über eine sichere, zertifizierte Verbindung können Patientinnen und Patienten digital in Kontakt mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Heilmittelerbringern und Hebammen treten. So können aktuelle Befunde besprochen und Verlaufskontrollen durchgeführt werden oder es kann auch eine psychotherapeutische Behandlung zuhause erfolgen.
    Zusätzlich wurden die Möglichkeiten erweitert, dass Ärztinnen und Ärzte sich gegenseitig um Rat fragen können. Über sogenannte Telekonsilien kann beispielsweise ein Hausarzt eine Spezialistin direkt kontaktieren und zur Behandlung eines komplexen Falles oder einer seltenen Erkrankung hinzuziehen. In digitalen Konferenzen können mehrere Expertinnen und Experten gemeinsam beraten. Ebenso können Pflegedienstleister über Fallkonferenzen in einen Austausch mit den ärztlichen Leistungserbringern treten und pflegerische Maßnahmen planen. Bei solchen Gesprächen können zukünftig auch Patientinnen und Patienten beteiligt werden, falls dies notwendig ist.
    Als "Telemonitoring" wird es bezeichnet, wenn Gesundheitsdaten von Patientinnen und Patienten erfasst und direkt zur Bewertung an eine Ärztin oder einen Arzt geschickt werden. Dies ist beispielsweise möglich, um die Funktionsfähigkeit von Herzschrittmachern regelmäßig zu überprüfen, ohne dass hierfür ein Termin in einer Praxis wahrgenommen werden muss.
    Zukünftig wird auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) digitalisiert. Die Daten der eAU werden dann von der Ärztin beziehungsweise dem Arzt elektronisch an die Krankenkassen übermittelt.

Insgesamt profitieren die Versicherten von der Vernetzung und vom besseren Informationsaustausch der Behandler untereinander. Denn neben der Qualifikation der Ärztin bzw. des Arztes ist für die Qualität der Behandlung auch entscheidend, dass der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin über alle relevanten Informationen verfügt.

Wie wird der Datenschutz bei der Gesundheitskarte sichergestellt?

Der Schutz der sensiblen Gesundheitsdaten der Versicherten steht an erster Stelle. Die sensiblen Gesundheitsdaten sind nicht einfach auslesbar, da sie verschlüsselt gespeichert und übertragen werden. Sie werden mittels moderner kryptografischer Verfahren geschützt. Diese Verfahren wurden von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt und über mehrere Jahre auf ihre Wirksamkeit hin untersucht und werden stets an den aktuellen Stand der technischen Forschung angepasst. Diese Verschlüsselungsverfahren verhindern, dass Unbefugte die Daten lesen können. Darüber hinaus schützen Signaturverfahren die Daten vor unberechtigter Veränderung und stellen sicher, dass die Urheberschaft von Daten nachträglich nicht bestritten werden kann. Mit der eGK, auf der der individuelle Schlüssel der Versicherten gespeichert ist, hat der Versicherte es selber in der Hand, die Daten wieder lesbar zu machen. Der Zugriff auf die Daten der eGK darf nur zum Zwecke der medizinischen Versorgung erfolgen. Zugriff hat nur ein enger, gesetzlich festgelegter Personenkreis. Hierzu gehören insbesondere Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte. Um auf die medizinischen Daten der Gesundheitskarte zugreifen zu können, gilt prinzipiell das sogenannte Zwei-Schlüssel-Prinzip. Ähnlich wie bei der Bankkarte müssen die Versicherten die medizinischen Daten mittels ihrer eGK und einer PIN freischalten. Ärztinnen und Ärzte benötigen für den Zugriff einen zweiten Schlüssel, nämlich ihren Heilberufsausweis und ebenfalls eine PIN. (Ausnahme: Versicherte greifen außerhalb der Arztpraxis eigenständig, beispielsweise mit ihrem Tablet oder Smartphone, auf ihre ePA zu; hierfür sind besondere sichere Verfahren vorgesehen.) Das heißt, unberechtigte Nutzer würden nur sehr stark verschlüsselte Daten finden, die sie nicht entschlüsseln und keinem bestimmten Versicherten zuordnen können. Mit der eGK erhalten die Versicherten demnach ein technisches Mittel, um sich wirksam vor unberechtigten Zugriffen zu schützen und selbst zu bestimmen, wer wann welche Daten speichern, einsehen oder ändern kann.

Die Patientinnen und Patienten entscheiden allein, welche medizinischen Anwendungen sie nutzen möchten und wer auf ihre Daten zugreifen darf. Sie können für jede medizinische Anwendung – sei es für die Notfalldaten, den eMP oder die ePA – jederzeit festlegen, ob und durch wen hierauf zugegriffen wird. Der bzw. die Versicherte stimmt dem Zugriff der Ärztin oder des Arztes zu, indem die elektronische Gesundheitskarte in das Kartenlesegerät des Arztes gesteckt und eine PIN eingegeben wird. Eine Ausnahme besteht für die Notfalldaten: Haben sich Patientinnen und Patienten freiwillig für diese Anwendung entschieden, so können Ärztinnen und Ärzte diese in einem medizinischen Notfall ohne PIN-Eingabe durch die Patientinnen und Patienten auslesen. Darüber hinaus können Versicherte künftig unter Nutzung sicherer Verfahren und ihres Tablets oder Smartphones ausgewählten Leistungserbringern sowohl zeitlich als auch inhaltlich eingrenzbare Zugriffsberechtigungen auf Daten ihrer ePA erteilen. Nur berechtigte Leistungserbringer, wie zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte oder Zahnärztinnen und Zahnärzte, können mit Einwilligung der Versicherten auf die Daten zugreifen. Der Zugriff auf die medizinischen Daten ist aber nur zum Zweck der Versorgung erlaubt. Da außer dem Versicherten selbst niemand über den Schlüssel der elektronischen Gesundheitskarte verfügt und es keinen "Generalschlüssel" gibt, können nicht berechtigte Dritte (zum Beispiel Versicherungen, Behörden, Unternehmen) nicht auf die sensiblen medizinischen Daten des Versicherten zugreifen. Missbrauch ist strafbar. Aus Gründen der Nachverfolgbarkeit werden Zugriffe auf der Karte gespeichert, so dass immer klar ist, wer auf die Daten der eGK zugegriffen hat.

Wer entscheidet darüber, welche Gesundheitsdaten gespeichert werden?

Mit der Einführung der Telematikinfrastruktur und der eGK wurde ein Umdenken im Gesundheitswesen eingeleitet. Die Versicherten wurden in den Mittelpunkt gerückt, und es wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie stärker als bisher in das Therapiegeschehen einbezogen werden können. Dadurch wird auch das wachsende Informationsbedürfnis der Menschen erfüllt. Denn niemand hat ein größeres Interesse an den persönlichen Gesundheitsdaten als die Versicherten selbst.

Zwar benötigt jede und jeder gesetzlich Versicherte eine eGK als Versicherungsnachweis bei der Inanspruchnahme von Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings haben alle Versicherten die Wahl, ob sie die medizinischen Anwendungen der eGK nutzen möchten, welche medizinischen Daten gespeichert werden und welche Informationen sie an ihre Ärztinnen und Ärzte weitergeben.

Stand: 05. Juli 2022
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