E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen

Für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Gesundheitsversorgung ist das Vorantreiben der Digitalisierung die zentrale Voraussetzung.

Die Chancen nutzen: Digitale Gesundheit 2025

Die Digitalisierung erfasst auch das Gesundheitswesen. Patientinnen und Patienten informieren sich im Internet und nutzen Wearables und Apps, um Gesundheitsdaten zu erfassen und auszuwerten. Ärztinnen und Ärzte bieten Rat und Hilfestellungen via Internet an und Patientinnen und Patienten nehmen diese Dienstleistungen zunehmend in Anspruch. Leistungserbringer greifen die Digitalisierung auf und treiben sie voran.

Digitale Technologien können uns helfen, die Herausforderungen, vor denen fast alle Gesundheitssysteme der westlichen Welt stehen – immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen sind zu behandeln, teure medizinische Innovationen zu bezahlen, strukturschwache ländliche Gebiete medizinisch zu versorgen – besser zu lösen.

All dies zeigt beispielhaft, welche Chancen mit der Digitalisierung für das deutsche Gesundheitswesen verbunden sind.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat das erkannt und in den vergangenen Jahren den Rahmen geschaffen, damit viele Vorteile der Digitalisierung genutzt werden können. Dabei sind wichtige Weichen gestellt worden, stets mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern.

Zu nennen sind hierbei die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA), die Einführung des elektronischen Rezeptes (E-Rezept), die Schaffung eines neuen Zugangs für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA beziehungsweise „App auf Rezept“), das Voranbringen der Telemedizin oder auch den Aufbau des Forschungsdatenzentrums Gesundheit im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Zugleich wurden Verantwortlichkeiten gestärkt und gegenseitige Blockaden verhindert. Die Beteiligung des Bundes an der Gesellschaft für Telematik (gematik) oder die Zuordnung der Entwicklungshoheit bei der Definition Medizinischer Informationsobjekte bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung seien beispielhaft erwähnt. Zudem wurde der „Health Innovation Hub“ als Impulsgeber für eine innovative Versorgung sowie als Dialogplattform und Brücke zur Digitalszene im Jahr 2019 für die Dauer von zwei Jahren eingerichtet. Ergänzend hat das Bundesministerium mit der Zukunftsregion Digitale Gesundheit eine Initiative gestartet, um digitale Lösungen in eine stärkere Praxisanwendung zu bringen und Erkenntnisse über deren Einsatz zu gewinnen.

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems gelingt nur dann, wenn die richtigen Herausforderungen und Fragestellungen identifiziert und anschließend auch beantwortet und gelöst werden. Um dieses Vorhaben erfolgreich auszurichten und zu gestalten, hat das BMG das Innovationsforum „Digitale Gesundheit 2025“ initiiert, mit dem Ziel, einen Raum für einen strukturierten Gedankenaustausch zu schaffen. Expertinnen und Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens sind dort eingebunden worden, um eine gemeinsame Vorstellung für ein erfolgreiches deutsches digitalisiertes Gesundheitssystem zu entwickeln.

Mitgewirkt haben Leistungserbringer, Krankenkassen, Patientinnen- und Patientenvertretungen, Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie staatliche Akteure. Dabei ist darauf geachtet worden, Expertinnen und Experten aus der Praxis einzubinden, die über umfassende Erfahrung bei Digitalisierungsprojekten verfügen.

Wir erleben jeden Tag welche Bedeutung und welche Auswirkung die Nutzung von Daten auf unser tägliches Leben haben. Dem Nutzen sind aber auch Herausforderungen beim Datenschutz und Datensicherheit gegenüber gestellt. Dies kann den Wettbewerb und damit auch die Innovation und Digitalisierung der Versorgung hemmen. Dafür wurde unter anderem die Datenstrategie der Bundesregierung veröffentlicht.

Mehr als 240 Maßnahmen streben danach, eine gemeinsame Vorstellung der Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung umzusetzen. Schwerpunkte sind unter anderem die Dateninfrastruktur leistungsfähig zu gestalten, die innovative Datennutzung zum Beispiel durch mehr Rechtssicherheit steigern oder die allgemeine Datenkompetenz in der Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zu erhöhen. Zu guter Letzt unterstützen wir dabei, dass der Umgang mit Daten durch eine entsprechende Datenkultur erstmals in der Gesellschaft etabliert wird.

Sichere Infrastruktur für das Gesundheitswesen

Das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) hat die ersten Weichen für den Aufbau der sicheren Telematikinfrastruktur (TI) und die Einführung medizinischer Anwendungen gestellt. Seitdem wird die Digitalisierung des Gesundheitswesens durch verschiedene gesetzliche Maßnahmen, zum Beispiel mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) oder dem Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) sowie dem am 9. Juni 2021 in Kraft tretenen Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) vorangetrieben.

Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems ist eine verlässliche, sichere und umfassende digitale Infrastruktur, die TI. Die gematik steuert diese und sorgt für ihren kontinuierlichen Ausbau. Die TI vernetzt schrittweise alle Akteure des Gesundheitswesens und gewährleistet einen sicheren Austausch von Informationen über die Sektoren hinweg und unabhängig von den Systemen der Leistungserbringer. Seit Dezember 2017 wird die TI bundesweit im Gesundheitswesen ausgerollt. Nachdem nunmehr bereits die meisten Arzt- und Zahnarztpraxen flächendeckend an die TI angeschlossen sind, werden auch die Krankenhäuser und Apotheken an die TI angeschlossen. Weitere Leistungserbringer werden folgen. Leistungserbringer, die sich freiwillig an die TI anschließen möchten, können dies tun.

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und ihre Anwendungen

Bereits seit dem 1. Januar 2015 ersetzt die elektronische Gesundheitskarte (eGK) beim Arzt- und Zahnarztbesuch die Krankenversichertenkarte als Versicherungsnachweis. Für alle Versicherten verpflichtend enthält die eGK die Verwaltungsdaten der Versicherten, die sogenannten Versichertenstammdaten. Dies sind zum Beispiel Name, Geburtsdatum, Anschrift, Geschlecht sowie Angaben zur Krankenversicherung, wie die Krankenversichertennummer und der Versichertenstatus (Mitglied, Familienversicherter oder Rentner). Zur Vermeidung von Missbrauch befindet sich auf der Vorderseite der eGK ein Lichtbild. Der Versichertenstammdatendienst ermöglicht es, dass beim ersten Arztbesuch im Quartal die auf der Karte gespeicherten Versichertenstammdaten mit den bei der Krankenkasse vorliegenden aktuellen Daten abgeglichen und wenn nötig aktualisiert werden können. Bestimmte Veränderungen, die die oder der Versicherte bereits an ihre oder seine Krankenkasse gemeldet hat, können dann beim nächsten Arztbesuch automatisch per Knopfdruck auf der Karte aktualisiert werden. So kann beispielsweise die Adresse aktualisiert werden, wenn sich diese durch einen Umzug geändert hat. Mit dem Versichertenstammdatendienst können auch ungültige sowie verloren oder gestohlen gemeldete Karten bei der Inanspruchnahme von Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung besser als bisher erkannt und Missbrauch eingedämmt werden.

Neben den Versichertenstammdaten, die verpflichtend auf der eGK gespeichert werden, können Versicherte seit Herbst 2020 freiwillig außerdem persönliche Gesundheitsdaten, wie beispielsweise Informationen zu Arzneimittelunverträglichkeiten, Allergien und chronischen Erkrankungen, deren Kenntnis bei einer Behandlung im Notfall wichtig sein können, als Notfalldaten digital auf ihrer eGK speichern lassen. Darüber hinaus können in den Notfalldaten auch weitere medizinische Hinweise, beispielsweise zu einer aktuellen Schwangerschaft oder zu Implantaten sowie Kontaktdaten zu behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie zu Personen, zum Beispiel Angehörige, die im Notfall benachrichtigt werden sollen, hinterlegt werden. Im medizinischen Ernstfall können diese Daten dann von Ärztinnen und Ärzten auf der eGK ausgelesen werden. Im Unterschied zu den anderen medizinischen Anwendungen der TI ist für den Zugriff auf die Notfalldaten in einem medizinischen Notfall keine Eingabe einer persönlichen Identifikationsnummer (PIN) der Versicherten erforderlich. Versicherte können die Notfalldaten ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten auch im Rahmen der Regelversorgung, außerhalb der akuten Notfallversorgung, zur Verfügung stellen. Sie haben diesen gegenüber auch einen Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung der elektronischen Notfalldaten.

Eine weitere freiwillige Anwendung der eGK ist der elektronische Medikationsplan (eMP). Durch den eMP sehen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, welche Medikamente ihre Patientin beziehungsweise ihr Patient aktuell einnimmt und können auf diese Weise besser über die weitere Medikation ihrer Patientinnen und Patienten entscheiden. So können gegebenenfalls bestehende gefährliche Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten erkannt und vermieden werden. Gleiches gilt bei der Abgabe von Medikamenten in der Apotheke. Vom Medikationsplan profitieren vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans sollen durch die schwerpunktmäßig behandelnden Ärztinnen und Ärzte erfolgen, die die medizinisch notwendigen Therapie- und Diagnostikmaßnahmen koordinieren. Dies sind in der Regel die Hausärztinnen und Hausärzte. Patientinnen und Patienten, die keine Hausärztin oder keinen Hausarzt haben und deren ärztliche Betreuung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt erfolgt, haben diesen gegenüber einen Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans. Ärztinnen und Ärzte müssen die Patientinnen und Patienten auch über den Anspruch auf einen Medikationsplan aufklären. Apothekerinnen und Apotheker sind von Anfang an mit einbezogen und genau wie die weiteren Behandler verpflichtet, den Medikationsplan auf Wunsch der Patientin beziehungsweise des Patienten zu aktualisieren, wenn sich die Medikation ändert und ihnen der eMP zur Aktualisierung vorliegt.

Auf Wunsch der beziehungsweise des Versicherten können neben den Notfalldaten auch persönliche Hinweise auf das Vorliegen einer schriftlichen Erklärung zur Organ- und Gewebespende, einer Patientenverfügung oder auch einer Vorsorgevollmacht und zu deren Aufbewahrungsort (zum Beispiel „in der linken Schreibtischschublade“) auf der eGK hinterlegt werden. So können Versicherte sicherstellen, dass ihre entsprechenden Erklärungen, soweit erforderlich, besser auffindbar sind. Da ein Zugriff auf die auf der eGK gespeicherten Notfalldaten immer den Einsatz eines Heilberufsausweises (HBA) erfordert, können Versicherte ihre Notfalldaten nur in einer Leistungserbringerumgebung, zum Beispiel einer Arztpraxis, einsehen. Für den Zugriff durch Leistungserbringer bedarf es grundsätzlich einer Einwilligung der oder des Versicherten. Ärztinnen und Ärzte können jedoch auch ohne Einwilligung zugreifen, wenn der Tod der oder des Versicherten festgestellt und der Zugriff zur Klärung erforderlich ist, ob die verstorbene Person in die Entnahme von Organen eingewilligt hat.

In weiteren Entwicklungsstufen der TI, schrittweise beginnend ab dem 1. Juli 2023, werden die elektronischen Notfalldaten gemeinsam mit den Daten zu Hinweisen der Versicherten auf das Vorhandensein und den Aufbewahrungsort persönlicher Erklärungen technisch zu einer elektronischen Patientenkurzakte (ePKA) weiterentwickelt, die als Online-Anwendung der TI nicht mehr auf der eGK gespeichert wird. Auf Daten der ePKA können Versicherte über ihr Smartphone, Tablet oder ihren Desktop-Computer und ihre ePA-App, die ihnen von ihrer Krankenkasse für die Nutzung der digitalen medizinischen Anwendungen zur Verfügung zu stellen ist, dann auch selbstständig – außerhalb einer Leistungserbringerumgebung- zugreifen. Darüber hinaus sollen Versicherte künftig auch die Möglichkeit erhalten, auf eigenen Wunsch Daten ihrer ePKA innerhalb der Europäischen Union zur Unterstützung ihrer Behandlung im europäischen Ausland bereitzustellen. So können Versicherte sicherstellen, dass ihre medizinischen Daten auch bei einer Behandlung im EU-Ausland berücksichtigt werden können.

Genau wie die Nutzung der Notfalldaten ist auch die Nutzung der künftigen ePKA für die Versicherten freiwillig.

Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA)

Die Krankenkassen sind seit dem 1. Januar 2021 verpflichtet, ihren Versicherten eine ePA in mehreren Ausbaustufen zur Verfügung zu stellen. Zunächst können Daten der Patientinnen und Patienten aus bereits vorhandenen Anwendungen und Dokumentationen, wie zum Beispiel Notfalldaten, Medikationsplan oder Arztbriefe, in der ePA bereitgestellt werden. Patientinnen und Patienten können ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte damit zur Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität über diese wichtigen Gesundheitsdaten informieren. In der ePA können Versicherte auch eigene Daten, wie zum Beispiel ein Tagebuch über Blutzuckermessungen, abgelegen. Sie können ihre Daten auch außerhalb der Arztpraxis eigenständig einsehen. Dabei kann die Einsichtnahme über ein geeignetes mobiles Endgerät wie zum Beispiel ein Smartphone erfolgen. Für Versicherte, die über kein mobiles Endgerät verfügen oder dieses nicht für den Zugriff auf medizinische Anwendungen nutzen möchten, werden alternative Zugangsmöglichkeiten geschaffen. Ihnen ist die Nutzung der ePA ab dem 1. Januar 2022 auch über einen Desktop PC möglich.

Damit sind Patientinnen und Patienten über Diagnose und Therapie viel genauer und umfassender informiert und können besser als bisher über ihre Gesundheit mitentscheiden. Dies ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Die ePA ist eine versichertengeführte elektronische Akte, deren Nutzung für die Versicherten freiwillig ist (Opt-in). Der Versicherte ist der Souverän seiner Daten. Er entscheidet von Anfang an, welche Daten gespeichert werden, wer zugreifen darf und ob Daten wieder gelöscht werden. Neben Befunden, Arztberichten oder Röntgenbildern lassen sich ab 2022 auch der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahn-Bonusheft in der ePA speichern.

Die Versicherten erhalten bei der Führung ihrer ePA Unterstützung durch umfassende Aufklärung und Information durch die Krankenkassen, klar geregelte Ansprüche gegen Leistungserbringer und Krankenkassen auf Übermittlung und Speicherung von Daten sowie Beratung bei der Nutzung der ePA. Hierzu sind Vergütungsregelungen für die Leistungserbringer geregelt.

Die sensiblen Gesundheitsdaten wie Befunde, Diagnosen, Medikationen oder Behandlungsberichte werden bestmöglich durch klare Regeln für Datenschutz, Datensicherheit und datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit in der Telematikinfrastruktur geschützt.

Ab dem 1. Januar 2022 erhalten Versicherte die Möglichkeit, über ihr Smartphone oder Tablet für jedes in der ePA gespeicherte Dokument einzeln zu bestimmen, wer darauf zugreifen kann (feingranulares Berechtigungsmanagement).

Versicherte erhalten ab dem 1. Januar 2023 darüber hinaus die Möglichkeit, Daten ihrer ePA pseudonymisiert und verschlüsselt freiwillig der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen.

Interoperabilitätsverzeichnis

Eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose elektronische Kommunikation bzw. den Austausch von Informationen im Gesundheitswesen ist, dass die eingesetzten Systeme die gleiche Sprache sprechen, also interoperabel sind.

Seit Juli 2017 macht das Interoperabilitätsverzeichnis namens "vesta" die von den verschiedenen IT-Systemen im Gesundheitswesen verwendeten Standards transparent und sorgt damit für mehr Standardisierung. Neue elektronische Anwendungen dürfen nur noch dann aus den Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden, wenn die dazu im Interoperabilitätsverzeichnis veröffentlichten Festlegungen und Empfehlungen der gematik berücksichtigt werden.

Das Verzeichnis enthält auch ein Informationsportal für telemedizinische Anwendungen und elektronische Anwendungen.

Außerdem werden einheitliche Anforderungen für Schnittstellen in den informationstechnischen Systemen von Ärztinnen und Ärzten sowie von Krankenhäusern festgelegt. Auch hier ist Ziel die Interoperabilität verschiedener Systeme.

Für die Interoperabilität spielen außerdem Vorgaben für medizinische Terminologiesysteme (zum Beispiel SNOMED CT) eine wichtige Rolle. Diese dienen dazu, die medizinischen Daten selbst in einheitlicher Form zu codieren und insoweit eine einheitliche Sprache, auch in maschinenlesbarer Form, zu schaffen.

Das Interoperabilitätsverzeichnis wird zu einer Wissensplattform weiterentwickelt. Bei der gematik wird eine neue Koordinierungsstelle für Interoperabilität im Gesundheitswesen eingerichtet, um Bedarfe für die Standardisierung zu identifizieren und Empfehlungen für die Nutzung von Standards, Profilen und Leitfäden zu entwickeln und fortzuschreiben.

Mobile Digitale Gesundheitsanwendungen

Gute digitale Dienste sollen den Patientinnen und Patienten zeitnah zur Verfügung stehen, Services wie Videosprechstunden, E-Rezepte und die ePA sollen ganz selbstverständlicher Teil des Versorgungsalltags werden.

Ein wichtiger Meilenstein bei der digitalen Betreuung von Patientinnen und Patienten konnte mit der Einführung von DiGAs erreicht werden. Mit dem Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) am 19. Dezember 2019 wurde die „App auf Rezept“ eingeführt. Damit haben circa 73 Millionen gesetzliche Versicherte einen Anspruch auf eine Versorgung mit DiGAs. Erfolgreiche digitale Lösungen werden aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten entwickelt und stellen deren Bedürfnisse und Alltagshandeln in den Mittelpunkt. Das wird die Versorgungsprozesse, die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ganz grundsätzlich verändern, der Point of Care wird sich von Arztpraxis und Klinik immer stärker hin zu den Patientinnen und Patienten verlagern. Im Zusammenspiel von Software, Sensorik und Medizintechnik tun sich darüber hinaus auch ganz neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten auf. Auch diese innovativen Medizinprodukte werden Teil der Regelversorgung. Der hierfür mit dem DVG geschaffene Weg über das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte eröffnet neue Möglichkeiten für ein digital unterstütztes Versorgungsangebot. Die DiGAs stiften auch erkennbaren Mehrwert für die Ärztinnen und Ärzte. Zusätzlich gewonnene Daten, die auch die Zeit zwischen Arztbesuchen erfassen, ermöglichen präzisere und passgenauere Behandlungen. Zudem können Ärztinnen und Ärzte die Entwicklung des Gesundheitszustandes ihrer Patientinnen und Patienten erkennen und sie frühzeitig und passgenau in die Praxis einbestellen, wenn dies erforderlich wird.

Daten für die Forschung und Versorgung: Forschungsdatenzentrum Gesundheit

Damit das lebensrettende Potenzial von Daten zur Entfaltung kommen kann, müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, unter denen Daten im Gesundheitsbereich systematisch und im Einklang mit der Informationellen Selbstbestimmung erhoben und genutzt werden können. Gesundheitsdaten ermöglichen dem Gesundheitswesen und der Forschung medizinischen Fortschritt und bessere Prävention und Behandlung der Patientinnen und Patienten. Es ist daher wichtig, die Nutzung von Gesundheitsdaten zum Wohl der Patientinnen und Patienten und im Einklang mit den geltenden datenschutzrechtlichen Vorgaben in Versorgung und Forschung weiter zu fördern und die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung konsequent weiter zu verfolgen.

Um strukturierte und repräsentative Daten für die Forschung zur Verfügung zu stellen, baut das BMG das Forschungsdatenzentrum Gesundheit im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit schafft einen geschützten und vertrauenswürdigen Datenraum für die Nutzung der Abrechnungsdaten der gesetzlich Krankenversicherten zur Präventions- und Versorgungsforschung und zur Steuerung des Gesundheitswesens. Das Ziel: eine bessere Gesundheitsversorgung für alle. Ab dem Jahr 2023 haben Versicherte zudem die Möglichkeit, die in der ePA abgelegten Daten freiwillig pseudonymisiert und verschlüsselt dem Forschungsdatenzentrum Gesundheit und so der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus können Versicherte die Daten ihrer ePA auch auf alleiniger Grundlage der informierten Einwilligung für ein bestimmtes Forschungsvorhaben oder für bestimmte Bereiche der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stellen.

Das Forschungsdatenzentrum stellt für die Verbesserung der Versorgung qualitativ hochwertige und repräsentative Daten (Big Data) zur Verfügung. Um die Vorteile von KI nutzen zu können, braucht es genau diese strukturierten Daten. Das ist vor allem für neue Präventions-, Diagnose- und Behandlungsverfahren wichtig – denn die KI und ihre Algorithmen sind nur so gut wie die Daten auf den sie trainiert und getestet werden.

Daten für die Forschung und Versorgung: Federführende Datenschutzaufsicht

Zur Beschleunigung und Vereinfachung multizentrischer, länderübergreifender Vorhaben der Versorgungs- und Gesundheitsforschung wurde mit §287a des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) eine Regelung für die einheitliche Geltung des Bundesrechts sowie für eine federführende Aufsichtsbehörde am Vorbild der DSGVO geschaffen. Forschende können so, wenn Daten aus mehr als einem Bundesland verarbeitet werden, eine federführende Datenschutzaufsichtsbehörde bestimmen, die die datenschutzrechtliche Prüfung federführend übernimmt. Zur Überwindung möglicher regulatorischer Unterschiede zwischen den Bundesländern, findet zudem bei länderübergreifenden Vorhaben der Versorgungs- und Gesundheitsforschung § 27 des Bundesdatenschutzgesetzes Anwendung.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern. KI ist ein der wichtiges Instrument zur Unterstützung und Entlastung von Ärztinnen, Ärzten und medizinischem Personal. Das Potential erstreckt sich dabei von Wissen sammeln und bündeln, über Prozesse optimieren und Diagnosen präzisieren bis hin zur datengestützten passgenauen Therapieempfehlung. Sinnvolle KI wird in Zukunft wie das Stethoskop oder das Röntgenbild im Instrumentenkoffer der Ärztin oder des Arztes zu finden sein. Es geht nicht darum das ärztliche Personal zu ersetzen, sondern dabei zu unterstützen, schneller und präziser zu behandeln. Dann bleibt am Ende mehr Zeit für das persönliche Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten.

Darüber hinaus wird ein besseres Verständnis von Gesundheitsdaten die Patientenversorgung insofern nachhaltig unterstützen, dass Zusammenhänge von Krankheiten besser erkennbar sind und Ursachen schneller gefunden werden. Dabei geht es nicht um die Auswertung von Gesundheitsdaten Einzelner, sondern darum, Erkenntnisse zu Krankheiten allgemein zu generieren oder Algorithmen für KI mit möglichst vielen Daten zu trainieren, testen und evaluieren. Um mehr über die konkreten Vorteile und Anwendungsfälle von KI im Gesundheitswesen zu erfahren, fördert das BMG verschiedene Forschungsprojekte. Die Fördermaßnahmen des BMG sind in die KI-Strategie der Bundesregierung eingebettet. Die Strategie hat das Ziel, den Weg von Künstlicher Intelligenz Made in Germany an die Weltspitze voranzutreiben. KI „made in Germany“ soll in das Wertegerüst der Europäischen Union eingebettet sein und die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern. Dabei ist die Gewährleistung einer verantwortungsvollen und gemeinwohlorientierten Entwicklung und Nutzung von KI von zentraler Bedeutung. Das ist besonders für den Umgang mit sensiblen Daten wie im Gesundheitswesen wichtig. Dafür muss KI im Rahmen einer aktiven politischen Gestaltung für die Bevölkerung in Deutschland und Europa anwendbar sein und zum Wohl der Gesellschaft genutzt werden.

KI-Fördermaßnahmen im BMG

Die ausgewählten Fördermaßnahmen arbeiten an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Nutzen digitaler Innovationen und deren Beitrag zur Verbesserung der patientenzentrierten Versorgung. Ein wichtiger Aspekt der geförderten Projekte ist daher immer das rechtskonforme Nutzbarmachen großer Datenmengen zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Konkret geht es in den Projekten zum Beispiel darum, durch die Entwicklung und den Einsatz von Anwendungen der KI, Therapien individueller auf die Patientinnen und Patienten auszurichten, Prozesse in Kliniken zu optimieren und Diagnosen präziser zu machen. Die KI-Anwendungen sollen in der Praxis erprobt und getestet werden. Hierfür bieten sich verschiedene Anwendungsfälle, beispielsweise bei der automatisierten Analyse von Bilddaten in der Radiologie oder Dermatologie an. Neue datengetriebene Innovationen ermöglichen, dass zum Beispiel Algorithmen Hautveränderungen diagnostizieren, Wundliegegeschwüre vorbeugen oder die Dokumentation im Schockraum erleichtert wird.

Aktuell werden über 20 Projekte zur konkreten Umsetzung von KI-Maßnahmen mit folgenden Themenschwerpunkten gefördert:

Darüber hinaus werden weitere Projekte zur Umsetzung der KI-Strategie im Gesundheitsbereich gefördert, unter anderem der Einsatz neuer datengestützter Technologien, insbesondere der KI, zur Verbesserung der Versorgung in der Langzeitpflege; Maßnahmen zur vertrauenswürdigen KI; die Untersuchung von KI-Methoden zur Generierung von synthetischen Daten; , die Operationalisierung der schnellen Krisenbewältigung durch KI beim Robert Koch-Institut sowie die Genomdateninitiative – GenomDE.

Die Projekte sollen z.B. Antworten auf folgende Fragen geben:

  • Welcher Nutzen besteht beim Einsatz von KI für die Patientinnen/Patienten?     

  • Worin können Ärztinnen und Ärzte unterstützt werden? 

  • Welche Hindernisse zum Einsatz von KI müssen abgebaut werden?

  • Welche Maßnahmen müssen im Gesundheitswesen ergriffen werden, damit KI wirklich da helfen kann, wo sie sinnvoll ist?         

Digitale Gesundheitskompetenz und Patientensouveränität

Um Verständnis für digitale Lösungen in der Versorgung zu schaffen ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Akzeptanz und Vertrauen sind elementare Voraussetzungen, um die digitale Gesundheitsversorgung voranzutreiben. Dies gilt nicht allein auf Seiten der Ärztinnen und Ärzte, der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und weiteren Leistungserbringer – es ist ebenso wichtig, die (digitale) Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten aufzubauen und zu stärken.

Immer mehr Menschen informieren sich über Gesundheitsthemen im Internet. Angesichts der Fülle der verfügbaren Informationen sehen sich viele vor Probleme gestellt, wenn es darum geht, sich im Gesundheitswesen zurechtzufinden, Informationen zu bewerten und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit dem Nationalen Gesundheitsportal erhalten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wissenschaftlich fundierte, neutrale und gut verständliche Informationen zu ausgewählten Gesundheitsthemen, Krankheitsbildern und Behandlungsmöglichkeiten. Sie werden so in die Lage versetzt, gemeinsam mit ihrer Ärztin beziehungsweise ihrem Arzt informierte Entscheidungen treffen zu können. Das Ziel ist es, nachhaltig das Wissen um Gesundheit zu steigern und damit dazu beizutragen, die Gesundheitskompetenz zu erhöhen und die Patientensouveränität zu stärken.

Neben Informationen zu Krankheiten, Pflegeleistungen und Patientenrechten werden auf dem Portal unter anderem auch die digitalen Angebote des Gesundheitswesens, wie die ePA, DiGAs und die Telemedizin erklärt. Das Gesundheitsportal unterstützt die Bürgerinnen und Bürger somit dabei, die Angebote richtig einordnen zu können, individuelle Mehrwerte zu identifizieren und die mit der Digitalisierung verbundenen Innovationsschritte präsent zu machen. 

Stand: 14. Dezember 2021
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